Putumayo presents

Gardens of Eden

EXIL MUSIK 9783-2
LC 08972
VÖ: 19.03.2001
DISTRIBUTION: INDIGO

 

Die Suche nach dem Paradies, nach dem perfekten Ort des Einklangs und der Harmonie hat die Menschen von Anfang ihrer Geschichte an bewegt. Spirituell und archetypisch in den großen Mythen und Weltreligionen verankert, existieren jedoch viele irdische Gegenbilder von diesem Platz der erhabenen Ruhe und pastoralen Schönheit, oftmals in Landschaften, die heute von Raubbau und Zerstörung unmittelbar bedroht sind. Mit Beiträgen aus Papua-Neuguinea, Madagaskar, Brasilien, Guinea, Indien, Costa Rica, Hawaii und Tibet geleitet uns Putumayo zu ungewöhnlichen, fragilen Orten unseres Planeten, deren spannende Tradition und durchweg handgemachte Klänge einen wirksameren Balsam für den Geist bieten, als die herkömmlichen kitschigen Tapeten aus exotisch angereicherten Wellness-Sounds. Wir meinen: eine gelungene, mit Feingefühl bestückte Fortsetzung zum artverwandten "Islands"-Sampler!

Kaum ein anderer Ort der Erde ist auch am Beginn des 21. Jahrhunderts noch terra incognita wie Papua-Neuguinea. Undurchdringliche Regenwälder und Hochländer haben es ermöglicht, daß viele der 700 Ethnien auf der Rieseninsel und den sie umgebenden Eiländern isoliert von der "Zivilisation" blieben. George Mamua Telek stammt von New Britain im Bismarck-Archipel und ist der erste Exponent der Tolai-Kultur Papuas in der westlichen Welt. Mythen und Moderne gehen in seiner Musik eine fesselnde Partnerschaft ein: Seit dem Verzehr einer heiligen Betelnuß als Kind steht er im Kontakt mit seinen Vorfahren, die ihm ihre Geschichten übertragen. Diese bettet Telek in traditionelle Percussionmuster, Ukulelen-Klang und dreistimmigen Gesang und fügt mit australischen und britischen Produzenten dezent zeitgenössische Sounds ein. Seine erste Reise in europäische Breiten führte ihn 1999 in die Real World-Studios, wo er das Album "Serious Tam" aufnahm. "Midal" handelt von einem bemalten Blatt, welchem eine magische Wirkung im Werben um eine Frau zugeschrieben wird.

Der "kleine Kontinent" vor Afrikas Ostküste, Madagaskar, ist unser nächstes Ziel. Mittlerweile sind sich die Ethnologen sicher, daß seine Ureinwohner jedoch indonesischer Abstammung waren - eine faszinierende Kulturbrücke, die momentan die Sängerin Anitra von Madagaskars Rootsband Tarika erkundet. Wie sie und die meisten Künstler des Landes hat auch Eric Manana aus der Hauptstadt Antananarivo das Exil gewählt, um seine Karriere entfalten zu können. Von Bordeaux aus tritt der Gitarrist und Sänger nun mit Landsleuten als stolzer Botschafter seiner Kultur in Erscheinung, wie in der akustisch swingenden Hymne "Tsara Ny Hiran'ny Taniko".

Seit der Epoche der Tropicalisten vor mehr als 30 Jahren haben brasilianische Pop-Künstler zaghaft mit indischen Sounds geliebäugelt. Nie aber hat es eine so konsequente Verschmelzung von Bossa-Flair und indischer Klassik gegeben wie bei Ana Rita Simonka, die im vorliegenden "Mais Filhos De Gandhi" ("Mehr Söhne Gandhis") vom Vokalisten Ratnabali Adhikari unterstützt wird. Eine Anrufung der hinduistischen Gottheit Rama verschmilzt mit farbenprächtigen Naturbildern im portugiesischen Text über Tabla und vorwärtstreibender Gitarre. Ihre weltumspannenden Aktivitäten entfaltet Simonka im alternativen Kunstzentrum "Arte Simbolo" in São Paulo, wo sie Kurse in Musik, Tanz, Bildender Kunst und Biologie gibt.

Längst ist es nicht mehr ausschließlich den Griots vorbehalten, in den westafrikanischen Kulturen ihre Stimme zu erheben. Baba Djan aus Guinea ist ein bezwingendes Beispiel, daß gerade außerhalb der noblen Musikerkaste innovativ mit Tradition umgegangen wird. Einst Mitglied der stilbildenden Keletigui et ses Tambourins aus Guineas goldener Tanzband-Periode, kam Djan über die Elfenbeinküste nach Paris, wo er in seiner Soloarbeit Malinké-Klänge mit modernen Elementen versieht. In "Maloka", einem relaxten Song mit Kora-Begleitung, beklagt er sich über die Gleichgültigkeit seiner Herzensdame.

Aus der Tradition des indischen Bundestaates Gujarat erwuchs die Vokalistin Shweta Jhaveri, die mit ihrer ornamentreichen Stimme schon im geheimnisvollen Soundtrack zu Rajan Khosas Film "Dance Of The Wind" auffiel. Ihre Spezialität ist der khayal, ein junger und sehr populärer Abkömmling des strengen dhrupad-Gesangsstiles, und er ist wie geschaffen, die nordindischen Ragas in einen innovativen Kontext zu stellen. In ihrer Wahlheimat Kalifornien tut Jhaveri dies unter der Leitung des Produzenten Lee Townsend mit einem Ensemble feinfühliger Jazzmusiker an Gitarre, Bass, Drums und Geige. "To A Beloved" aus dem der Göttin des Wassers und der Fruchtbarkeit gewidmeten Album Anahita, ist ein gelungenes Statement zu einer unverbrauchten East meets West-Spielart.

Barefoot ist wiederum eine jener Neuentdeckungen für europäische Ohren, mit denen Putumayo-Sampler nie geizen. Die Mitglieder dieser Band, in deren Arbeit ökologisches Bewußtsein großgeschrieben wird, haben ihren Garten Eden in Big Sur an der kalifornischen Pazifik-Küste gefunden. Dort nämlich befindet sich einer der letzten ausgedehnten Waldbestände mit urzeitlichen Mammutbäumen, der noch nicht durch Eingriffe von menschlicher Hand verändert wurde. Inspiriert durch diesen geradezu mythischen Ort zelebriert die multinationale Formation einen Crossover aus afrikanischen und pazifischen Klängen mit der musikalischen Tradition der Anden ("Arica") .

Tief im Urwald Amazoniens, auf halber Strecke zwischen Manaus und Belém haben Regional Vermelho E Branco ihr Zuhause. 1998 gründeten sie sich in Parintins, einer Inselstadt im Amazonas-Strom, in der sich alljährlich im Juni eines der bemerkenswertesten brasilianischen Festivals ereignet. Die Region ist dann getränkt von der Farbenpracht aufwendiger Kostüme, Musik und Umzüge, die europäische und indianische Elemente gleichermaßen verkörpern. Und so treffen auch in der Musik von RVB Samba-Rhythmen auf Klänge der Anden und vom Amazonas, wenn sie Conori, die legendäre Kriegsheldin, Erbin des mythischen Gottes Tupi der Icamiaba-Indianer besingen.

Vom riesigen Tropenreich Amazonien geht es ins vergleichsweise winzige Costa Rica, das jedoch einen ebenso wunderbaren und bedrohten Regenwald beherbergt. Guadalupe Urbina stammt aus der westlichen Provinz Guanacaste und in ihrer Musik spiegelt sich die Schönheit der Heimat, des blauen Landes ("Pais Azul") wieder. Über dem sanften hölzernen Klopfen der traditionellen Marimba preist sie sowohl die Pracht der Frauenkleider, die Zedern und den unvergesslichen Geschmack der Tortillas.

Palmen, Lagunen und weißer Strand entsprechen der europäischen Vorstellung vom Paradies - auf Tuvalu und Tokelau, winzigen polynesischen Inseln, scheint dieses Bild vom Garten Eden noch zu existieren. Der Sänger Opetata Foa'i hat seine Wurzeln in der Kultur dieser durch den Anstieg des Meeresspiegels bedrohten Inselwelt. Von Neuseeland aus, wo er seit seiner Kindheit lebt, zelebriert er mit der Formation Te Vaka eine einzigartige pan-pazifische Musik, die Einflüsse aus Tuvalu, Tokelau, Samoa und Maori aufgenommen hat und traditionelle Baumtrommeln und Gesang mit moderner Produktion verknüpft. In der weichsten und fließendsten aller pazifischen Sprachen, in Tokelau, bittet der Fischer "Tautei e" den Meeresgott Tagaloa um Erlaubnis, hinauszufahren, um Fisch für seine Familie zu fangen.

Ebenfalls von polynesischer Besiedlung geprägt sind die Vulkaninseln von Hawaii, deren Kultur nach ihrer Zugehörigkeit zu den USA (1959) unter dem dominierenden Einfluß der Amerikanisierung zu ersticken drohte. Doch seit den 70ern entdecken junge Hawaiianer ihre Kultur neu. Keola Beamer, der königliches Blut in seinen Adern hat, übernahm in diesem Revival keine unwesentliche Rolle. Als Songwriter und Meister der typischen Slack Key-Gitarre, in der die Saiten in offener Stimmung gespielt werden, mischte er wie kaum ein anderer Insulaner archaisches Instrumentarium mit den Produktions-Zeichen der Zeit. In "Elepaio Slack Key", einer Widmung an die Vogelgöttin der Kanumacher, werden wir Ohrenzeuge, wie sich seine Saitenkünste in der Gesellschaft von Kürbistrommel, Kaurimuscheln und Basaltsteinen entfalten.

Den Endpunkt unserer paradiesischen Klangreise finden wir in einem Ambiente, das denkbar weit von den Traumstränden unseres Planeten entfernt ist. Doch nicht erst seit James Hiltons Roman "Lost Horizon" (1939), in dem der Protagonist seine friedvolle Zufluchtsstätte im tibetischen Tal Shangri-La findet, versinnbildlicht Tibet für uns einen Ort spiritueller Ruhe. Yungchen Lhamo ist die derzeit schillerndste Persönlichkeit unter den tibetischen Künstlern, die im Exil leben. Nach spektakulärer Flucht durch den Himmlaya entdeckte sie die Schönheit ihrer glasklaren Stimme in den indischen Flüchtlingslagern und kam dann über die Zwischenstation Australien mit Peter Gabriel in Kontakt. Für RealWorld nahm sie ein pures a-cappella-Album auf und erforschte ihre Tradition dann zusammen mit dem französischen Elektronik-Freak Hector Zazou auf einer zweiten Scheibe fürs englische Label, "Coming Home" Abschließend gibt sie uns in "Happiness is..." östliche Weisheit mit auf den Weg."Oft haben die Dinge, die uns vermeintlich glücklich machen, keine wahre Bedeutung im Leben. Doch es gibt eine Art zu denken, zu leben, der eine Bedeutung innewohnt, und es ist das Glück, welches auf diesem Pfad gefunden wird, nach dem wir streben sollten."

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