Putumayo presents:

CARNIVAL

 

EXIL MUSIK 9751-2
LC 08972

DISTRIBUTION: INDIGO

Ist das zu glauben? Schon steht die "Zwei" nunmehr ein volles Jahr stolz vor unserer Zeitrechnung - dabei haben wir doch gerade erst mit Putumayos "New World Party" beschwingt und ausgelassen den Jahrtausendwechsel mit musikalischen Leuchtfeuern begrüsst. Nahtlos an die globalen Millenium-Feiern anknüpfend lädt nun ein weiterer Soundtrack zum Haus- und Straßenfest: "Carnival", ein wirbelnder Funkenflug, der auf zehn Stationen dokumentiert, zu welchen Klängen mann und frau zwischen New Orleans und Rio de Janeiro außer Rand und Band geraten. Die fünfte Jahreszeit: blecherner Brass tönt aus der freizügigsten Stadt der USA, Cubas Countryside gibt sich zu den tollen Tagen eher rustikal gediegen, explosiv-elektrisch dagegen lärmt es in Bahia - in jedem Falle aber immer weit entfernt von "Helau", "Alaaf" und alten Kamellen. Ein exotischer Hörgenuß mit vielen in Europa bislang unveröffentlichten Tracks - und der muß auch nicht am Aschermittwoch enden.

Brasilien grüßt mit zwei Facetten seines Carnavals, die unterschiedlicher kaum sein könnten. In der alten barocken Hauptstadt des Tropenreichs, Salvador da Bahia, toben Afro Blocos wie Olodum oder Timbalada mit ihrem massiven Fundament von bis zu mehreren hundert Trommlern, und die Trio Electricos beschallen von fahrenden Trucks die feiernde Menge. Stars wie Daniela Mercury oder Carlinhos Brown sind nur die Spitze des Eisberges des Bahia-Karnevals, der mittlerweile die stilisierten Paraden in Rio an Beliebtheit überholt hat. Ara Ketu (1) aus Salvadors Periperi-Viertel geben in "Tapete Negro" die Fusionsfreudigkeit baianischer Musik zum Besten: polternder Bloco-Satz paart sich mit afrikanisch anmutendem Gesang und einer dem Salsa verwandten Blechblasfraktion.

Martinho Da Vilas (8) Name ist immer eng verbunden mit Rios Sambaschule Vila Isabel. Der wohl größte lebende Sambista bildete stets ein federndes Gegengewicht zum kommerzialisierten Touristen-Karneval an der Copacabana. Durch sein Interesse für die folkloristischen Ursprünge des Genres, durch Kreieren von afrikanisch geprägten Themen und vor allem durch witzsprühende Texte mit leichtfüßigen verbalen Kniffen ruft der Mann mit der schmeichelnden Stimme wie in "Canta, Canta Minha Gente" (bei uns wurde das zum deutschen Schlager "Guten Morgen, Sonnenschein"!) eines der originären Anliegen des Samba ins Gedächtnis zurück: die Schwere des Lebens in den Favelas für ein paar Tage zu vergessen und sich dem Rhythmus hinzugeben.

Am anderen Ende unserer panmerikanischen Karnevalsroute sitzt Eddie Bo (2), seines Zeichens Komponist für Etta James, Little Richard und Spezialist für swingende Pianoläufe, bereit, um die Vergnügungen des Mardi Gras zu preisen. Der New Orleans-Karneval, von den Franzosen am Mississippi ins Leben gerufen, von den Spaniern unterbunden und durch massiven Druck der Kreolen wiederbelebt, verwandelt Louisianas ohnehin schon bunte Metropole in einen Hexenkessel, für den Marching Bands, Blues, R & B, Jazz und Funk den würdigen Rahmen liefern. Bo, auch hierzulande durch Tingeleien in einschlägigen Clubs geschätzt, erweist dem "fetten Dienstag" mit einer ebenso fetten, beschwipsten Blaskapelle hinter seinem R&B-Song "I Know You Mardi Gras" die Reverenz.

Ebenfalls Resident der Crescent City New Orleans ist Herr Kermit Ruffins (6), der schon 1982 die berüchtigte Re-Birth Brass Band ins Leben rief und damit ein neues Zeitalter von schwarzen Blaskapellen einläutete. Man bezeichnet den begnadeten Trompeter, der seit 1992 Solowege beschreitet, als unglaubliche Verschmelzung von Louis Armstrong, Professor Longhair und Dr.John in einer Person. Sein Instrumental "Kermit's Second Line" mit fröhlich-behäbiger Tuba, kecker Klarinette und Trompeten-Eskapaden vom Meister selbst, bezieht sich auf die ausgelassene Menge, die den Musikern beim Umzug in der zweiten Reihe folgt.

Und so feiert man an den Stationen zwischen Mississippi-Delta und Zuckerhut die tollen Tage: An Kolumbiens afro-hispanisch durchtränkter Karibik-Küste beispielsweise, in Barranquillo, besingt Fruko "El Nuevo Caimán", den "neuen Alligator". Doch verbirgt sich hinter diesem verschmitzten Attribut kein gefrässiges Flussreptil, sondern vielmehr ein verliebter Paradiesvogel, der sich für die närrischen Tage herausgeputzt hat. Als Rhythmusgeber für seinen Tanz hat er sich Kolumbiens prominenteste Salseros ausgesucht. Mit Joe Arroyo und der Grupo Niche bilden Fruko Y Sus Tesos (3) seit den Siebzigern die Speerspitze des Landes, wenn es um tanzbaren Salsa geht. Dieser steht nun auch während der Karnevalstage in heißer Konkurrenz zur traditionellen Cumbia.

Eine ungewöhnliche Partnerschaft zelebriert den Karneval Cubas zu einem ungewöhnlichen Datum: Eliades Ochoa und sein nunmehr sechs Jahrzehnte quicklebendiges Cuarteto Patria (4) stehen für die "Country"-Wiege des Son im Osten Cubas. Vor drei Jahren taten sie sich mit Makossa-Vater Manu Dibango zusammen, was dem Kameruner die Chance bot, sich für die transatlantischen musikalischen Einflüsse seiner Jugend zu revanchieren. Auf der vorliegenden Aufnahme frönen Ochoa mit perlender Akustikgitarre und Dibango mit clowneskem Sax dem "Carnaval" der Zigarreninsel, der zu Ehren der Revolution Fidel Castros im Juli (!) stattfindet.

Der Calypso, anfänglich ein mit scharfer Zunge vorgetragener Kommentar aktueller Ereignisse, kam durch vom Goldrausch betörte Einwanderer des ostkaribischen Raumes bis in den Südosten Venezuelas. Dort wurden die Rhythmen Trinidads, Guadeloupes und St.Kitts bereichert durch lokale Farben und auch andalusische Wurzeln. Textlich pendelte er sich im ominösen "Spanglish", dem anglo-spanischen Zwitter ein. Un Solo Pueblo (5) sind Spiegelbild der trikulturellen Gesellschaft Venezuelas "Macoklis Mango" gibt Zeugnis ab vom funky Calypso-Karneval der El Callao-Region.

 

Den afrikanischsten und zugleich auch politischsten Karneval der Karibik-Welt hat Haiti zu bieten: seit drei Jahrhunderten im ständigen Katz- und Maus-Spiel mit den prüden kirchlichen Obrigkeiten und den Diktatoren, etablierte sich in den Umzügen eine subtile Gegenkultur, die vor allem mit Voodoo-Elementen angereichert war. Neuerdings stärken Gruppen wie King Posse (7) die aufmüpfigen Töne mit Raggamuffin-Anleihen des nahen Jamaika, wie in "Retounen" ohrenfällig wird, einer eingängigen Koppelung von rauhem Ragga mit dem gemächlich-smoothen, traditionellen Rhythmus Compas.

In "Spirit of Crop Over" wird die wichtigste Zeremonie des Rum-Eilands Barbados besungen: die ausladenden Festlichkeiten zur Zuckerernte der Insel sind im Charakter dem Frühjahr-Karneval sehr verwandt. Hervorgegangen aus einem Ritual der Sklaven dauert es heutzutage mehrere Wochen an, während derer das Volk sich in bunte Kostüme gekleidet auf Straßen und in Stadien an Tanz und musikalischen Wettbewerben berauscht. Star dieser Competitions ist der gebürtige Trinidader Big Davy (9), der seinen peppigen Calypso und Soca schon in ganz Europa, und gar an der Seite von Sammy Davis Jr. vorgestellt hat.

Unser Island hopping endet im unbestrittenen Zentrum karibischen Karnevals, auf Trinidad. Nirgendwo sonst kann man so ausschweifende Straßenparaden und Sängerwettbewerbe erleben. In Andre Tankers (10) "Wild Indian Band" stecken mehrere Eigentümlichkeiten des hiesigen Spektakels: man kann den Sound der Steeldrum-Orchester heraushören, die alljährlich den Karneval Trinidads eröffnen, ebenso das wilde Geheul von Indianern, die in Gestalt von farbenprächtig Kostümierten Bestandteil jeder Parade sind. Dies alles geschieht in einem kompakten Soca-Arrangement, das aus Tankers Album "Children of The BigBang" stammt - eine Einspielung, zu der auch Jazzpianist Andy Narell und Kompagnon David Rudder ihr Können beisteuerten.

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