Putumayo presents NEW LATIN GROOVES

MO´VIDA

EXIL MUSIK 9463-2
LC 08972

DISTRIBUTION: INDIGO

 

Aufregende Fusionen in der Weltmusik gingen meist mit einem guten Anteil latin-getränkter Sounds einher: so war es schon in den 40ern, als Mambo und Jazz in New York eine wilde Mischehe führten, Größen wie Gillespie sich von kubanischen Klängen befruchten ließen, so war es während der kurzen aber lustintensiven Boogaloo-Ära der 60er, wo sich Funk und Rock mit Salsa vermengten, und der durch Santana mitbegründete Latinrock der 70er führte die Paarungsfreudigkeit von Karibik, Lateinamerika und anglo-amerikanischer Musik fort. Die Stilvielfalt am Anfang unseres neuen Jahrtausends und die an vielen Orten des Planeten existierenden latin communities eröffnen Rhythmen und Melodien hispano-karibischer Provenienz ständig neue Möglichkeiten zur Zeugung vergnüglicher Bastarde. Rap zelebriert Blutsbrüderschaft mit klassischem Son, Salsa vermengt sich an der Seine mit Raggamuffin und in den Hügeln Kaliforniens feiert mexikanischer Rock — Carlos sei Dank - fröhliche Urständ!

Putumayo huldigt diesem neuen Vorstoß der Latino-Gemeinde an die Speerspitze der Worldmusic mit "Mo’Vida", was zum einen schlicht "Bewegung", zum anderen auch "Mehr Leben" bedeuten kann. Von beidem gibt es in der schillernden Mischung aus wohlvertrauter Prominenz und Neuentdeckungen eine Menge. "Mo‘Vida", der Nachfolger im Geiste von "New World Party" liefert einen prickelnden Soundtrack zu den kommenden Gartenpartys des Jahrtausend-Sommers.

Der erste im Bunde derer, die ihre Latin-Party unterm Eiffelturm feiern, ist Sergent Garcia. In einer obskuren Ska-Punk-Band namens "Ludwig Von 88" unternahm er erste Schritte, bis er dann im stillen Kämmerlein eine verrückte Métissage von Salsa, Raggamuffin, Latin-Rock und Ska zimmerte. Heute steht der Sohn eines Spaniers und einer Französin mit seiner Band "Los Locos Del Barrio" für den elektrisierendsten Latin-Sound aus Paris und arbeitet mit Größen wie Cypress Hill und den Delinquent Habits. In "Hoy Me Voy" reflektiert er über das oft bittere Emigranten-Leid der Latino-Gemeinde.

Tegucigalpa, die Hauptstadt von Honduras ist nicht gerade die bekannteste unter den Adressen für brodelnde Latino-Sounds. Doch als sich Ludwing Lavoriel, Kind dieser Stadt, in Miami mit Produzent Roy Tavares zusammentat, gelang ihm das Kunststückchen, einen explosiven Cocktail aus der Folklore seiner Kindheit mit Son, Raggamuffin und kolumbianischer Küche zu zaubern. BOMBONs "Se Escaparon" erzählt zudem noch die amüsante Geschichte eines Familienvaters, der seine Töchter in einem Tanzclub trifft — der generationsübergreifende Bedarf an Party!

Der Kongolese Ricardo Lemvo spielt momentan d i e zentrale Rolle in der Vermittlung afrikanischer und karibischer Tradition. Kinshasa, die Stadt seiner Kindheit, war Drehscheibe für die Begegnung kubanischer Musik mit Afro-Elementen, Geburtsstätte von kongolesischer Rumba und Soukous. Zeitgemäß vermengt Lemvo in spielerischer Freude Soukous mit Son, Rumba mit Bachata und Merengue, Salsa mit HipHop und singt ganz nebenbei auch in Portugiesisch oder seiner Muttersprache Lingala. In "Nganga Kisi" ("Medizinmann"), einem Crossover aus afrikanischem Rap und Latin-Soul, vertraut er auf seine betörenden Kräfte, um eine Frau zu umschmeicheln. Erst kürzlich erschien Lemvos zweites Werk für Putumayo, "São Salvador", in Deutschland.

Patricia Melecio wurde in New York geboren, residiert heute in L.A., hat jedoch einen puertoricanischen Stammbaum. Sie hat es sich auf die Fahnen geschrieben, eine heute nahezu vergessene Stilrichtung mit neuem Atem zu erfüllen. Der "Boogaloo-Craze" der Sechziger, entstanden aus Interaktion von Mambo und Cha Cha Chá mit Funk & Soul in Spanish Harlem und anderen Latino-Gemeinden, war klassisches Vorbild für die heutigen Paarungen afro-amerikanischer Großstadtklänge. Melecio bringt mit ihrem angedeuteten HipHop-Groove den Boogaloo mit neuem Gesicht der jungen Generation näher.

Los Mocosos aus San Franciscos Mission-District waren schon auf Putumayos "New World Party" vertreten — hier liefern sie einen weiteren Track aus dem bunten Latino-Viertel, das einst auch für Santana und Seinesgleichen den kulturellen Nährboden bereitstellte. "Somos Los Mocosos", das Indikativ der Band, ist ein Schaukasten für die zeitgemäße Umformung von Salsa und mexikanischen Grooves mit HipHop, Funk und Rock.

Mit großer Besetzung geht es weiter — die Fabulosos Cadillacs und Mano Negra standen Modell für King Changó, die sich mittlerweile zu einer wichtigen Band des lateinamerikanischen Rockzirkels mausern konnten. Ska, Street Salsa und Funk sind die Hauptzutaten von "Melting Pot", der polyglotten, viersprachigen Aufpeppung eines Cha Cha Chá, bei der man die Formation um den Venezolaner Andrew Blanco in bester Partystimmung erwischen kann.

Daß sich die DomRep nicht auf den Merengue reduzieren läßt, führt uns Xiomara Fortuna vor Ohren. Sie konnte ihren Forscherdrang nach lokalen Bräuchen und Musikformen in einen lebendigen Mix aus afro-dominikanischen Traditionen kleiden. In ihrem Song "Juana La Loca" sind religiöse Anklänge im Carabine-Rhythmus auszumachen, der unvermittelt in einen Reggae mit Merengue-Reminszenzen übergeht. Textlich nimmt die Sängerin Bezug auf das dominikanische Gegenstück zu Jeanne D’Arc.

Ein weiterer Vertreter des Sprechgesangs aus der Seine-Metropole ist Ménélik. Der MC Solaar-Gefährte, seit den frühen Tagen des französischen HipHop mit von der Partie, läßt auf "Limbo Negro" Salsa-Montunos, scharfe BlechbÉjser und Hammond-Orgel auf seine zungenfertigen Verse prallen und erzeugt damit einen geradezu selbstverständlichen franko-spanischen Mix.

Französischer HipHop ist seit den frühen Neunzigern von kreativen Köpfen wie MC Solaar weltweit hoffähig gemacht worden. Neben dem eleganten Sprachfluß und den ausgeklügelten Texten zehrt er vor allem von der Vielvölker-Realität französischer Metropolen. Maghrebinische Soundschnipsel, aber auch Latino-Elemente sind unter den Rappern an der Seine sehr beliebt. Alliance Ethnik, seit ihrem 1995er-Debut "Simple Et Funky" weltweit erfolgreiches Kollektiv der neuen De La Soul-HipHop-Schule, demonstrieren hier mit "No Limites" ihren mutikulturellen Background mit unterschwelligen Salsa-Riffs und neckischem spanischen Refrain, der sich trefflich in die Frankophonie einfügt.

Die vielleicht überzeugendste Brücke zwischen der Musik der "alten Herren" Havannas, dem Son, und Jugendkultur ist den vier Orishas gelungen. Über den schweren bass drums tummeln sich ganz natürlich die kubanische Gitarre tres und leichtfüßige Conga-Percussion, und es wird nicht nur gerappt, sondern auch mit einer gehörigen Portion vokalen Charismas den afrokubanischen Gesangsstilen Tribut gezollt. Daß die Gruppe sich nach den Gottheiten der Santería-Religion benannt hat, ist da nur ein Beweis mehr für den Respekt vor ihrer Vergangenheit.

 

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