Putumayo presents

WOMEN OF SPIRIT

EXIL 8456-2
LC 08972
DISTRIBUTION: INDIGO

Die Präsenz von Künstlerinnen hat in der zeitgenössischen Musikszene im Laufe der letzten Jahre erheblich zugenommen. Gerade in der westlichen Popmusik vornehmlich britisch-amerikanischer Prägung hat sich dieser mit dem Begriff "Frauen-Power" umschriebene Trend besonders bemerkbar gemacht. Wenngleich zu konstatieren wäre, daß meist vor allem gekonnt Clichés bedient und Stereotypen (re)produziert werden. Von ausgeprägter Individualität oder Women Of Spirit kann man leider in den allerseltensten Fällen sprechen. Nur wenige der jungen und auch nicht mehr ganz so jungen Künstlerinnen verfügen über das Charisma, Können und die lässige Autorität etwa einer Joni Mitchell, Me’Shell NdegéOcello, Dana Bryant, Jayne Cortez, Cassandra Wilson oder Ani DiFranco.

Die beiden letztgenannten zählen auch zu jenen Women Of Spirit, die auf der vorliegenden CD-Compilation mit Charme, Witz, Intelligenz und musikalischer Persönlichkeit den Ton angeben. Und hier macht zudem der oftmals völlig deplaziert wirkende Begriff "Weltmusik" endlich einmal wieder Sinn: denn die Künstlerinnen kommen wahrlich aus den unterschiedlichsten Winkeln dieser Welt. Sie vertreten die verschiedensten musikalischen Traditionen, vermischen sie mit anderen ethnischen oder modernen Einflüssen und versehen ihre Songs mit einer erstaunlichen Einzigartigkeit.

Women Of Spirit stellt außergewöhnliche musikalische Musen vor. Jede dieser Frauen hat Pionierarbeit geleistet und zur Erhaltung ihrer Tradition beigetragen. Aber genauso sehr widersetzen sie sich beharrlich allen tradierten Clichés und Kategorisierungen. Ihr Ziel ist vielmehr, die zeitgenössische Musik dadurch neu zu definieren, daß sie mit ihren Songs eine individuelle Brücke von der Vergangenheit zur Gegenwart schlagen.

Den Auftakt macht eine ebenso wunderbare wie ungewöhnliche Synthese aus traditionell gälischen und westafrikanischer Klängen. Karen Matheson, Mitglied der schottischen Gruppe Capercaillie, präsentiert mit den beiden aus Äquatorialguinea stammenden Schwestern Paloma Loribo Sibèba und Piruchi Apo Sibèba den Titel Inexile. Mit lässiger Nonchalance werden die Grenzen zwischen den vollkommen unterschiedlichen musikalischen Genres dieser Protagonistinnen aufgehoben.

Ähnliches Einfühlungsvermögen beweist auch die brasilianische Sängerin Fortuna bei ihrer Interpretation eines Gedichtes des sephardischen Philosophen und Poeten Ha Levi (1085-1140). Die Brasilianerin verfügt über einen ausgesprochen eklektischen Background: nach ihrer künstlerischen Ausbildung zur Sängerin, Tänzerin und Theaterschauspielerin ging sie u.a. mit den renommierten Stars Chico Buarque und Toquinho auf Tournee. Dame Tu Fuerza reflektiert sowohl den arabischen als auch jüdischen Einfluß auf die Musik der iberischen Halbinsel.

Die aus dem Sudan stammenden, heute in Frankreich lebenden Mitglieder der Groupe Oyiwan sind mit Assode, einem Stück aus dem Film "Imuhar" zu hören. Protegiert werden die jungen Künstlerinnen von dem Franzosen Philippe Eidel, der gemeinhin für die anspruchsvolleren Titel des Rai-König Khaled als Produzent verantwortlich zeichet und mit dem Album "Mammas" letztes Jahr seine ganz eigene Version von Women Of Spirit vorlegte: mit fünf bis dahin weitgehend unbekannten, aber immens beeindruckenden Sängerinnen des Mittelmeerraumes.

Die aus Kamerun stammende Coco Mbassi war vor Beginn ihrer Solokarriere schon mit französischen Stars und international bekannten afrikanischen Größen wie Salif Keita, Toure Kunda und Manu Dibango auf Tournee. Die unbekümmerte Art, mit der Coco Mbassi ihren einprägsamen Song Muengue Mwa Ndolo präsentiert, erinnert ein wenig an die junge Miriam Makeba.

An eine musikalische Tradition, die selbst in ihrer Heimat nicht gerade die höchste Anerkennung genießt, knüpft die peruanische Sängerin Susana Baca an: ihr haben es vor allem die Lieder der afro-peruanischen Minderheit angetan. David Byrne, der schon mehrfach eine Spürnase für neue, beachtliche Talente der lateinamerikanischen Szene bewiesen hat, nahm Baca bei seinem Label Luaka Bop unter Vertrag. Der Song Negra Presentuosa entstammt ihrem Debütalbum für Byrnes Label und läßt hoffen, daß man von Susana Baca in näherer Zukunft noch einiges hören wird.

Cassandra Wilson als reine Jazzsängerin zu klassifizieren, hieße viele Facetten ihrer musikalischen Persönlichkeit gar nicht wahrzunehmen: schon auf ihren frühen Werken für das Münchener Label JMT scherte sie sich herzlich wenig um stilistische Selbstbeschränkung. Mit der gleichen unverwechselbaren Art, mit der sie Jazzstandards zu völlig neuem Glanz verhilft, drückt Cassandra Wilson auch den extra für sie komponierten Titeln ihren ganz eigenen Stempel auf. Stets fließen dabei Elemente von Folk, Funk, afrikanischer und brasilianischer Musik in ihre Interpretationen ein. Und auch der Blues, der Death Letter prägt, spielt bei ihr immer eine bedeutende Rolle.

Mit für ihre madagassische Heimat recht ungewöhnlichen Klängen und aufregenden Arrangements überrascht das Ensemble Tarika, das von den beiden Schwestern Hanitra und Noro Rasoanaivo seit 1994 geleitet wird. Binnen kürzester Zeit eroberte Tarika mit seinen bezaubernden Songs die Weltmusik-Charts in Europa, den USA und Japan. Daß sich Hanitra und Noro in den Texten mit der eher unrühmlichen Geschichte Madagaskars auseinandersetzen, kann angesichts der Leichtigekeit der Musik schnell übersehen werden.

Auch die Südafrikanerin Sibongile Khumalo reflektiert in ihren Stücken die Historie ihrer Heimat. Die von Staatschef Nelson Mandela als "nationaler Schatz" bezeichnete Sängerin versucht u.a. den auch in Südafrika herrschenden Tribalismus zu überwinden, indem sie sowohl die musikalischen Traditionen der Zulus und Sothos als auch die der Tsogas aufgreift. Ein bislang noch unerfüllter Traum Sibongile Khumalos, die auf dieser Compilation ihre Untold Story erzählt, ist es, einmal ein klassisches oder ein Jazzalbum aufzunehmen.

Der Sudan ist zum einen das größte Land des afrikanischen Kontinents und zum anderen das einzige schwarzafrikanische Land, in dem der Islam Staatsreligion ist. Die Sängerin Rasha, deren Großvater zu den bedeutendsten sudanesischen Komponisten des letzten Jahrhunderts gehörte, ist so gleich mit zwei sehr konträren Kulturen groß geworden. Der Vielfalt der Musikstile und Rhythmen, die sich aus diesem Aufeinandertreffen der arabischen und schwarzafrikanischen Welt ergeben haben, versucht Rasha in Stücken wie Aguis Mahasnik Biman Rechnung zu tragen.

Ein Faible für die balladesken, romantischen, manchmal etwas klassisch angehauchten Lieder ihrer spanischen Heimat hat sich die auf der Kanareninsel Gran Canaria geborene und lebende Ima Galguen bewahrt. In den Stücken, die sie gemeinsam mit ihrem musikalischen Partner Ramón Araujo komponiert, beschreibt sie vor allem die Naturschönheiten der Insel und kleine unscheinbare Begebenheit des Alltagslebens.

Eine der wenigen eigenwilligen Persönlichkeiten in der seit geraumer Zeit über uns schwappenden Welle der jungen Sängerinnen und Songwriterinnen ist neben Fiona Apple ganz sicher Ani DiFranco. Statt sich in die Hände einer der anklopfenden Major-Companies zu begeben und sich somit dem Diktat des Pop-Marktes zu unterwerfen, gründete DiFranco kurzerhand das eigene Label Righteous Babe Records, um ihre künstlerische Freiheit zu wahren. Daß sie dieses Jahr dennoch für einen Grammy in der Kategorie "Beste weibliche Rockkünstlerin" nominiert wurde, erscheint da schon wie ein kleines Wunder. Wenn man dann allerdings ihre sehr persönlichen Songs wie Done Wrong hört, ist dieses Wunder wiederum überaus erklärlich.

Wie die brasilianische Sängerin Fortuna hat sich auch die in Athen geborene Savina Yannatou auf ihren Alben dezidiert mit der sephardischen Tradition Spaniens und Portugals beschäftigt. Die griechische Sängerin, die u.a. an der renommierten Guildhall School of Music and Drama in London studierte, interpretiert hier El Sueño De La Hija Del Rey, ein Stück aus dem Jahre 1702, das in der Melodieführung und Rhythmik neben hebräischen auch arabische Elemente aufweist.

Als die Bürgerrechtsaktivistin Bernice Johnson Reagon 1973 die A-cappella-Gruppe Sweet Honey In The Rock gründete, war sie Gesangsleiterin des Washingtoner Black Repertory Theater. Musikalisch präsentierte Sweet Honey In The Rock seine meist sozialkritischen, aber nie agitatorischen Texte mit einer musikalischen Mischung aus Gospel, Jazz, Folk, Blues und Soul äußerst vielfältig. All diese Einflüsse finden sich auch in A Song wieder, einem Stück, das Bernice gemeinsam mit ihrer Tochter Toshi Reagon aufgenommen hat.

 

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