Putumayo presents

MUSIC FROM THE COFFEE LANDS

EXIL 8454-2
LC 8972

DISTRIBUTION: INDIGO


Wer je in einem wirklichen guten Café oder Restaurant Gelegenheit hatte, verschiedene Kaffeesorten nacheinander zu probieren, kennt die geschmackliche Vielfalt dieses aromatischen Getränks. So variantenreich wie der Kaffee selbst ist allerdings auch die Musik aus eben jenen kaffeeproduzierenden Ländern. Von ihrer ursprünglichen Heimat Afrika breitete sich diese Kulturpflanze im Laufe der Zeit bis nach Asien und vor allem Süd- und Mittelamerika aus. Daß es von jeher eine enge Beziehung zwischen Kaffee und Musik gab, ist durch Arbeiten zahlreicher Kultursoziologen und Musikethnologen belegt worden. Besonders deutlich wird die Verbindung bei den Liedern, die westafrikanische Sklaven während der Erntearbeiten auf den Kaffe- und Zuckerrohrplantagen in der Karibik, Brasilien, Kolumbien, Venezuela und anderen südamerikanischen Ländern sangen. Der Rhythmus der Lieder bestimmte den Rhythmus der Arbeit oder umgekehrt. Nicht selten waren die verrichteten Tätigkeiten auch Thema der gesungenen Stücke.

So macht es durchaus Sinn, daß ein Großteil der Musik, die auf MUSIC FROM THE COFFEE LANDS präsentiert wird, dezidiert afrikanische respektive afro-amerikanische Roots aufweist. Die Klänge sind mal lateinamerikanischer Provenienz (Kolumbien, Brasilien, Costa Rica, Jamaika, Kuba, Mexiko und Peru), entstammen dann wieder dem afrikanischen Subkontinent (Kenia, Kongo, Uganda und Zimbabwe) oder kommen sogar aus Hawaii. Eine breite stilistische Palette ist mithin garantiert. Allen Titeln gemein ist jedoch der ungemein entspannte rhythmische Fluß, der bestens dazu geeignet ist, sich in den Tag hineingleiten zu lassen. Am passendsten natürlich mit einer guten Tasse Kaffee.

Schon der Opener des gebürtigen Peruaners Julian Avalos kommt ungeheuer locker daher. Der heute in New York lebende Sänger, Komponist und Gitarrist hat indigenes, spanisches und afrikanisches Blut in seinen Adern und wuchs mit Musik aus Kolumbien, Equador, Bolivien und anderen spanischsprachigen Ländern auf. Guajira bonita ist ein Titel der von Avalos in Eigenregie produzierten CD "Azucar!". Die Guajira (ursprünglich Punto Guajiro genannt) ist ein Stil, der im kubanischen Hinterland noch heute gepflegt wird. Avalos’ Variante, die sich nach und nach zu einer Chachacha entwickelt, kennzeichnen vor allem der relaxte Rhythmus und das geschmackvollen Spiel auf der Tres, einer dreisaitigen Gitarre.

Ein bezaubernder, melodienseliger Song ist Soltarlo, ein von der kolumbianischen Sängerin Claudia Gomez a cappella vorgetragener Titel. Die in Medellin aufgewachsene Künstlerin fühlt sich vor allem zur originären Cumbia hingezogen, wie sie von der schwarzen Bevölkerung in den Küstengegenden ihrer Heimat gespielt wird. Darüber hinaus sieht sich Claudia Gomez, die sich in den frühen 70ern als Straßenmusikerin in England durchs Leben schlug und heute in der Gegend von San Francisco lebt, indes auch stark von der harmonisch sehr viel reicheren brasilianischen Musik beeinflußt.

Der aus Uganda stammende und heute in den USA lebende Samite wuchs zunächst mit Songs von Miriam Makeba, Harry Belafonte und Barry White auf. Mit seiner ersten Band versuchte er sich an Coverversionen der Hits von Bob Marley und Rod Stewart. Das musikalische Erbe seiner Heimat entdeckte Samite erst für sich, nachdem er vor dem Regime Idi Amins ins benachbarte Kenia geflohen war. "Die ugandische Musik basiert wie der Jazz sehr stark auf Improvisation", erläutert Samite. "In meine Musik lasse ich alles einfließen, was ich jemals gehört habe: traditionelle afrikanische Musik, Jazz, Klassik, amerikanische Country-Music". Der hier zu hörende Titel Wasuze Otya reflektiert vor allem die traditionell afrikanischen Elemente, wobei ein dezenter Country-Einschlag nicht zu leugnen ist.

Die Sängerin Susana Baca erlangte durch die von David Byrne zusammengestellte und 1995 auf dessen Label Luaka Bop erschienene Compilation "Afro-Peruvian Classics: The Soul Of Black Peru" auch außerhalb Perus Popularität. Wie ihr mittlerweile verstorbener Mentor Chabuca Granda oder auch der zuvor schon erwähnte Julian Avalos setzt sich Susana Baca in ihren Liedern mit den musikalischen Traditionen der afro-peruanischen Minderheit auseinander. Der Song Maria Lando, den sie hier mit ausdrucksstarker, kraftvoller Stimme interpretiert, war der Opener von Byrnes afro-peruanischer Klassikersammlung. Der Ex-Talking-Head (der seine Version desselben Titels an das Ende der Compilation stellte) war so begeistert, daß er sich dazu entschloß, gleich ein ganzes Album von Susana Baca zu produzieren.

Einer der in Europa und den USA wohl bekanntesten Künstler dieser Compilation ist der Jazzgitarrist Ernest Ranglin. Viele werden sich vor allem an seine Zusammenarbeit mit dem jamaikanischen Pianisten Monty Alexander erinnern, die u.a. auf einigen karibisch angehauchten Alben für das deutsche MPS-Label dokumentiert ist. Weniger geläufig dürfte sein, daß Ranglin Anfang der 60er Jahre zu den Pionieren des Ska gehörte und so kommenden jamaikanischen Stilen wie Rock-Steady, Reggae, Dancehall und Ragga den Weg bereitete sowie mit Bob Marley und Jimmy Cliff spielte. Below The Bassline ist ein wunderbares Beispiel für den Charme von Ernest Ranglins einzigartiger Fusion: über einen sehr laid-back gespielten Reggae-Rhythmus läßt der Gitarrist Single-Notes dahinperlen, die deutlich den jazzigen Einfluß von Charlie Christian und Wes Montgomery zeigen.

Der Percussionist, Gitarrist und Sänger Raimundo Sodré wuchs mit dem Reichtum der Rhythmen und Klänge seiner afro-brasilianischen Heimat Bahia auf. So ist es kein Wunder, daß er schon sehr früh anfing, sich mit allen möglichen Perkussionsinstrumenten und musikalischen Stilen zu beschäftigen. Eine wichtige Quelle waren für ihn die animististischen Candomblé-Zeremonien, bei deren musikalischer Gestaltung dem Zusammenspiel verschiedener Atabaque-Trommeln (Rum, Rumpi und Lé) und Schlagglocken (Agogô und Gã) eine wesentliche Rolle zukommt. Bei der Ballade M’Ban Samba, die er mit dem Senegalesen Ba Mamour im Duo eingespielt hat und in der ein wenig Bob Marleys "No Woman, No Cry" mitschwingt, hat Sodré auf die Verwendung von Rhythmusinstrumenten verzichtet. Den perkussiven Part übernimmt stattdessen seine Gitarre.

Einer der ersten ganz großen afrikanischen Popstars war der aus Zimbabwe stammende Thomas Mapfumo, der seine frühen Karriereschritte in so illuster benannten Coverbands wie Hallelujah Chicken Run Band oder Cosmic Dots unternahm. In den frühen 70er Jahren gab Mapfumo das Nachsingen der Songs von Elvis Presley, Little Richard, Sam Cooke, Otis Redding und den Rolling Stones auf, um seine eigene, Chimurenga getaufte Musik zu machen. Mit seinen unverblümten Texten und der fesselnden Musik - einer Mixtur aus verschiedenen traditionellen afrikanischen und modernen westlichen Elementen - stieg der Sänger schnell zur Identifikationsfigur seiner Generation auf. Hanzvadzi ist einer der großen Hits, die Thomas Mapfumo, der "Löwe von Zimbabwe", mit seiner 1978 gegründeten Band Blacks Unlimited einspielte.

Schon 1952 trat der kubanische Sänger und Songwriter Carlos Puebla mit der ersten Besetzung seiner Gruppe Las Tradicionales in den Cafés von Havanna auf und erregte mit sozialkritischen Liedern in der Ära des pomadigen Diktators Fulgencio Batista für Furore. Als Fidel Castro dann 1959 das politische Ruder an sich riß, stieg Puebla zum inoffiziellen musikalischen Botschafter Kubas auf. Nach Carlos Pueblas Tod im Jahre 1989 übernahm mit Fidelena Ceballos Reyes erstmals eine Frau den Gesangspart. Von der ursprünglichen Besetzung ist nach 45 Jahren nur noch der heutige Bandleader Octavio Abreua dabei. Der Bolero Dilema stammt aus dem musikalischen Nachlaß Pueblas und wurde 1996 für das Album "Boleros Ineditos Vol. 2" aufgenommen. Die Gitarre spielt Los Van Van-Mitbegründer Luis Martinez.

Die Band Café Tabuca zählt neben Maldita Vecindad zu den herausragenden Repräsentanten der mexikanischen "Rocanrol"(lies: Rock’n’Roll)-Bewegung, die seit den frühen 90ern eine eigenständige Rockszene zu etablieren versucht. Seinem 1992er Debütwerk ließ das Quartett 1994 das sehr viel traditioneller klingende Album "Re" folgen, von dem die zwischen der Sentimentalität des Bolero und der Melancholie des Tango schwankende Ballade Esa noche stammt.

James "Bla" Pahinui ist der Sohn des Gitarristen Charles Philip "Gabby" Pahinui, von dem gesagt wird, daß er die hawaiianische Musik revitalisiert habe. Durch die gelegentlich bei ihm zuhause stattfindenden Mammut-Sessions, die schon einmal über zwei Wochen gehen konnten, fand natürlich auch James "Bla" Pahinui schnell einen Zugang zur Musik. Als Teenager begeisterte er sich zunächst füt lateinamerikanische Klänge und den Rhythm’n’Blues der 50er Jahre. Aber auch die amerikanische Folk-Welle der 60er schwappte nicht folgenlos über ihn hinweg. Noch heute reflektiert James "Bla" Pahinui diese frühen Einflüsse in seinem Gitarrenspiel. Der Meister des Fingerpicking-Styles, bewegt sich mit seinem Stück Gabby Kai behende zwischen Elementen der Musica Latina sowie nordamerikanischem Folk und Blues.

Fast schon wie ein liturgischer Gesang mutet Ayub Ogadas Stück Kothbiro an, in dem neben Ogadas Stimme und Spiel auf der kenianischen Harfe nur ein paar ganz verhaltene Piano- und Baßtöne zu hören sind. Schon in jungen Jahren pendelte Ayub Ogada zwischen den Kontinenten sowie zwischen Tradition und Moderne hin und her. 1979 gründete er die bekannte African Heritage Band, in der auch der schon erwähnte Samite eine zeitlang mitwirkte. Mitte der 80er zog es Ogada nach London, wo er sich schnell in der lokalen "exil-afrikanischen" Szene etablierte. Nachdem Peter Gabriel von einem seiner WOMAD-Mitarbeiter auf ihn aufmerksam gemacht worden war, erhielt Ogada eine Einladung zu einer der "Aufnahmewochen", die von WOMAD initiiert wurden, um Künstler unterschiedlichster Kulturen zusammenzuführen. Ein Engagement als "Opening Act" für eine von Gabriels eigenen Touren schloß sich ebenso an, wie die Produktion eines Albums für Gabriels Label Real World.

Das kleine mittelamerikanische Land Costa Rica ist heute vor allem für zweierlei Dinge bekannt: seine überwältigend schöne Landschaft und seinen nicht minder gute Qualität seiner Kaffeebohnen. Einer der bekanntesten Sänger und Komponisten des bisher musikalisch nicht groß in Erscheinung tretenden Landes ist Juan Carlos Ureña. Der Meister der costarikanischen Variante der "nueva canción" beweist mit seinem vom kubanischen Son inspirierten Song Este son sein Gespür für einprägsame Melodien.

Wenn man seine La Milonga de Ricardo en cha-cha-chá hört, mag man zunächst kaum glauben, daß Ricardo Lemvo in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa geboren wurde und aufwuchs. Denn Ricardo Lemvo & Makina Loca bringen klassische kubanische Stilarten wie Son, Rumba, Chachacha oder Bolero mit einer solchen Authentizität herüber, daß man sich mitunter ins Havanna der 40er zurückgebeamt fühlen kann. Als 22jähriger begann Lemvo, der mit seinem Vater nach Los Angeles gezogen war, in kubanischen Bands zu singen. Angeeignet hatte er sich seine Sprach- und Musikkenntnisse zuvor durch das intensive Anhören von Platten mit kubanischen Klassikern. Mit seiner kubanisch-afrikanisch-mexikanisch besetzten Band Makina Loca steht Ricardo Lemvo erst am Anfang einer vielversprechenden Karriere. Unter dem Titel "Mambo Yo Yo" haben Ricardo Lemvo & Makina Loca für Putumayo gerade auch ein ganzes Album eingespielt.

 

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