Putumayo Presents:

THE CARIBBEAN

 

EXIL 6490-2 / LC 08972 / VÖ: 20.1.2006 / DISTRIBUTION: INDIGO

1. Kali: "Aline Volé" (Leona Gabriel) 3'34"
2. Stanley Beckford: "Sam Fi Man" (Stanley Beckfort) 3'24"
3. Claudius Philips & O.R.E.O.: "Overtime" ("Nami Chens Pa Mi Biba") ( Claudius Philips) 3'42"
4. Ska Cubano: "Changó" (Oscar Calle) 2'46"
5. Mika: "Bèl Fanm" (Michael Benjamin) 4'33"
6. Coalishun: "Thundah" (Coalishun) 3'36"
7. Waldo Mendoza: "Pasa Un Tiempo Viejo" (Waldo Mendoza/Alex Diaz) 3'43"
8. Marcé & Toumpak: "Bon Tché" (Bernhard Pago) 4'07"
9. Skatalites: "Freedom Sounds" (Thomas McCook) 4'17"
10. Jab Jab: "Rev It Up" (Ross Whiteman) 4'30"
11. Jandy Feliz: "Los Amores" (Jose Del Carmen Felix) 4'12"
12. Militant: "Hot & Groovy" (Bryon Paton/Habib Koite) 4'44"

Verwundbar kommen sie uns derzeit vor - die immer wieder von neuen

Monster-Hurrikanes geplagten Insel-Idyllen in der Karibik. Doch wenn die Klimakatastrophe auf den Paradiesen wütet, steht mehr auf dem Spiel als die Freude betuchter Feriengäste. Hinter dem Luxus und Glamour der Holiday-Ressorts, dem "Elend" der Hotelburgen verstecken sich jahrhundertealte Kulturen, die aus einem komplexen Dreiertanz von europäischer, afrikanischer und indigenen Beigaben geformt wurden. Die Rastafari-Bewegung, Voodoo und Santeria, die kreolische Küche und nicht zuletzt Salsa und Merengue sind allesamt spannende Resultate, die durch eine lange, bittere Kolonialgeschichte erkauft wurden. Es entwickelten sich jene Tänze und Rhythmen, die als Prima Materia für einen Latin Pop dienten, der in den letzten 30 Jahren auf internationalem Parkett Siegeszüge angetreten hat. Wer jedoch Salsa und Merengue nennt, kratzt dabei nur an der Oberfläche. Und so wagt Putumayo auch einen Blick in die tieferen Schichten, stellt Kompas-Koryphäen aus Haiti, Mento-Retro aus Jamaika, Soca-Heroen, den Zouk Chouv' und die pankaribischen Klänge aus Aruba vor. Nach den vorangegangenen Karibik-Samplern der New Yorker finden sich hier erstmals sowohl anglo- als auch frankophone Künstler Seite an Seite, denn - wie es die Band Jab Jab ausdrückt - sie sind alle vereint durch den "blauen salzigen Freeway", den Ozean.

Ein Teil unserer Verkaufserlöse aus "The Caribbean" kommt der von Wyclef Jean (The Fugees) ins Leben gerufenen Organisation Yéle Haiti zugute (www.yele.org). "Das Ziel von Yéle Haiti ist es", so Wyclef, "Stolz und Hoffnung wieder herzustellen und dem ganzen Land den tiefen Spirit und die Stärke zurückzugeben, die Teile unseres Erbes sind." Die Organisation richtet sich mit ihren Projekten insbesondere an die Jugend des Karibikstaates, um ihr auf dem neuen Kurs in die Zukunft Hilfe für den Wiederaufbau angedeihen zu lassen.

Wir würden uns nicht wundern, wenn der Meister des Karib-Banjo, KALI, demnächst zum offiziellen Botschafter von Putumayo auserkoren würde. Auf vielen Karibik-Kompilationen hat der Martinikaner schon seinen launigen Fünfsaiter erklingen lassen, und diesmal kommt ihm wieder einmal die besondere Ehre des Openers zu. Bürgerlich Jean-Marc Monnerville, später aber nach der Comicfigur Kalimero umbenannt, blickt der am Pariser Conservatoire Ausgebildete auf eine unorthodoxe Laufbahn zurück: Pionierhaft mischte er Folk mit Reggae, verschrieb sich einer Aufpeppung der populären Rhythmen Beguine, Kompas und Zouk und setzt sich für einen kreativen Umgang mit dem Kreolen-Erbe ein. Auf "Aline Volé", einem zwar munter trabenden Zouk, beschäftigt sich Kali aber mit einer eher bitteren Anekdote: Die Protagonistin des Liedes soll mit einem wohlhabenden Kaufmann zwangsverheiratet werden und flieht im Hochzeitskleid nächtens zu ihrem Geliebten, in dessen Armen sie am nächsten Morgen tot aufgefunden wird.

Bevor der Reggae das Zepter übernahm, herrschte auf Jamaica die Mento "Madness". Der wichtigste Folk-Ahne des Reggae wird derzeit wieder neu entdeckt, was sich nicht nur an Mento-Kompendien auf CD ablesen lässt, sondern ebenso an der Rückkehr jamaikanischer Musiker zu ihren Wurzeln. Paradebeispiel ist STANLEY BECKFORD, ehemals gefeierte Reggae-Größe in Kingston mit seinen Bands The Turbines und The Starites. 2001 gab er seiner Karriere dann den retrospektiven Spin: Im Auftrag eines französischen Labels sammelte er die Jungs der altehrwürdigen Blue Gaze Mento Band um sich und spielte mit ihnen zwei Alben mit gestandenen Mento-Titeln ein, bereicherte das alte Repertoire gar durch Neukompositionen. "Sam Fi Man" geht auf das legendäre Mento-Trio der 1960er, The Pioneers, zurück und gibt eine Kostprobe vom damals üblichen Insttrumentarium: Banjo-Gitarre, Klarinette und als Bass die ominöse Rumba-Box mit Metalltasten.

Abseits der eigentlichen Antillen-Kette, face to face mit der Küste Venezuelas finden wir die ABC-Inseln auf der Landkarte. Die haben nun nichts mit den gleichnamigen Schützen zu tun, sondern setzen sich aus den Anfangsbuch-staben von Aruba, Bonaire und Curação zusammen. Von Aruba stammt CLAUDIUS PHILLIPS, eine Galionsfigur der Calypso-Szene. Meistens war er es, der mit seinen Musikern zu den alljährlichen Carnivals-Wettkonzerten als Sieger gekrönt wurde. In der Musik von Claudius schaukeln sich pankaribische Einflüsse zu einem fiebrigen Mix empor, ganz so, wie es für die Kultur der Niederländischen Antillen typisch ist: Da finden sich die orts-ansässigen Rhythmen Tambú, Tumba und Séu, kubanischer Son, haitianischer

Cadence und selbstverständlich auch Spuren von Salsa und Merengue. Der geneigte Hörer darf mal testen, wie viele der Ingredienzien er auf dem im kreolischen Papiamento-Idiom gesungenen Track "Overtime" herauslauschen kann - Gastsängerin auf dem Song, der sich über die Seitensprünge eines Lovers auslässt, ist die geschmeidige Diana "Lady Eyes" Emeréncia.

Eine explosive Karibik-Enthüllung der jüngsten Zeit ist SKA CUBANO, die der vorrevolutionären Connections zwischen Jamaika und Kuba zu fröhlichen Urständen verhelfen. Natty Bo, Leader der Ska-Formation Top Cats, agiert im Zentrum des

bi-insularen Projekts, das vom Londoner Peter Scott angeregt wurde. Bo und seine Bande schleuste der Promoter nach Santiago De Cuba, wo sich die Ska-Helden mit Soneros vereinten, allen voran dem charismatischen Crooner und früheren Boxer Juan Manuel Villy Carbonell alias Benny Billy. In leicht beschwipster Upbeat-Manier nähert sich die Combo auf vorliegendem Track "Changó" der Santeria-Religion, in der die Yoruba-Gothheiten verehrt werden, allen voran der Donnergott. Für Chronisten: 1930 schon hatte sich diese Nummer aus der Feder des Bandleaders Oscar Calle geschlichen.

Hinüber geht's nach Haiti: Michael Benjamin nennt sich kurz MIKA und zählt zu den Emporkömmlingen des Compas, einem der wichtigsten Beats des Staates auf der Insel Hispañola, geformt durch Einwirkung des dominikanischen Merengue und des Calypso von Trinidad., neuerdings auch behaftet mit Einsickerungen aus HipHop und R&B. Mika veröffentlichte nach seiner Übersiedlung nach Montréal eine erste Scheibe, ist seitdem in aller Munde und Ohren, nicht zuletzt dank seines Hits "Ou Pati", der auf Haiti in verschiedenen Versionen existiert. Hier liefert der junge Songwriter ein weiteres Exempel aus seiner Schmiede: "Bèl Fanm" ("schöne Frau") macht einer Inselschönheit Komplimente und stammt aus seinem nunmehr zweiten Silberling.


Die poppige Verherrlichung von Eiland-Damen beherrschen auch COALISHUN, die mit "Thundah" die Vorzüge ihrer Auserwählten preisen. Das passiert mit einem handfesten Soca (abgekürzt aus "Soul of Calypso"), der seit den 1960ern zum musikalischen Inventar etlicher Karibik-Inseln zählt. Der Calypso-Mann Lord Shorty kreierte ihn damals aus einer Verzahnung von Calypso und einigen Einflüssen aus dem Chutney, der Musik der indischen Immigranten-Gemeinde Trinidads. Coalishun sind neben einigen anderen Mitstreitern dafür verantwortlich, dass in den 1990ern Barbados zu einem neuen Epizentrum für den Soca wurde. "Thundah" stammt aus dem Hit-Album der Band von 1996, die sich vor wenigen Jahren aufgelöst hat, deren Mitglieder aber nun teils auf erfolgreichen Solopfaden wandeln - allen voran der bei Atlantic unter Vertrag stehende Rupee.

Ehre wem Ehre gebührt - ohne Kuba, der musikalischen Königsinsel keine Kompilation über karibische Musik. Dem Timba, jenem relativ neuen, kommerziell erfolgreichen Salsa-Derivat frönt Señor WALDO MENDOZA, der mal wieder eine echte Neuentdeckung für europäische Ohren sein dürfte. Mendoza, der sich seine Sporen auf Kuba mit der Band Tumbao Habana verdiente, hat 2005 sein erstes eigenes Album Bendito Tiempo herausgebracht. Merengue, kolumbianische Schattierungen, sowie Trova und Son seiner Heimatinsel vereinigen sich hier zu einem frischen Popsound. "Pasa El Tiempo Viejo" wird von Putumayo als Kostprobe ausgeschickt. Textlich gibt sich der junge Barde hier hoffnungsfroh, dass Kuba nach der Ära des Kolonialismus auf dem Weg in eine goldene Zukunft sei.

Ein Wechsel ins frankophone Areal der Karibk versetzt uns wiederum nach Martinique, wo die Klänge von Bernand "Marcé" Pago auf uns warten. Der hatte es zunächst einmal mit dem Beat: Als Perkussionist begann er seine Karriere, avancierte später zum Tänzer des Martinique Folklore Ensemble, mit dem er weltweit auf Tournee ging. 1981 formte er seine eigene Combo TOUMPAK - die kreierte eine zeitgenössische Variante von Inselfolk, indem sie traditionelle Rhythmen wie den Chouval Bwa vom Zouk beschnuppern ließ: Der Zouk Chouv' ward geboren. Die Nummer "Bon Tché" kommt vom aktuellen Toumpak-Album Pé Épi Kouté und trägt bereits die Zahl 7 in der Discographie der Band.


Ska-Gemeinden überall, auch in deutschen Landen, liegen den SKATALITES seit langem zu Füßen. Als eine der populärsten Bands des Genres überhaupt geht die Geschichte der Jamaikaner bis in die 1950er zurück. Die Gruppe stand oft im Zentrum
der Musikgeschichte, agierte in der Frühzeit der ersten Studios als Backing Band für sämtliche Berühmtheiten vor den Mikros und hat sich durch alle Berg- und Talfahrten der wechselvollen Soundhistorie als Fels in der Brandung erwiesen. Nicht zuletzt aufgrund ihrer Flexibilität: Über den Ska hinaus haben die Herren auch immer wieder Jazz, Swing, Rhythm&Blues, Mento und Calypso integriert. Gewissermaßen ihr Erkennungsthema ist "Freedom Sounds", das vom 1998 verstorbenen Tenorsaxer Tommy McCook komponiert wurde - hier in einer aktuellen Version aus ihrem 2003er-Werk From Paris With Love.


Eine grenadinisch-trinidadische Verbrüderung auf kanadischem Boden manifestiert sich in der Band JAB JAB. Der kreolische Name bedeutet nichts Geringeres als "Teufel", und teuflisch fahren die Rhythmen der Gebrüder André und Ross Whiteman sowie ihres Mitspielers Wayne Stoute auch in die Glieder. Der "Jab Jab" ist zugleich aber auch ein Charakter des Insel-Karnevals: Die Oberschicht schockierend läuft er geteert, mit blutverschmiertem Gesicht und in Ketten herum. Zwar ohne Schock-effekte aber doch mit einer unzweifelhaften Verbindung zum Carnival gibt sich der

Calypso und Soca der Band, die mit "Rev It Up" an den Zusammenhalt der Karibik appelliert, alle Inseln durch den "blauen und salzigen Freeway", dem Atlantik, verbunden sieht.


JANDY FELIZ aus der Dominikanischen Republik vertritt den Merengue auf unserem klanglichen Insel-Hopping. Von seiner traditionellen Gestalt mit Akkordeon, Tambora-Trommel und Schrapper hat sich der Tanz zu einem der global beliebtesten Rhythmen Lateinamerikas gemausert. Heute zeichnen ihn fette Bläsersätze, poppige Arrangements und elegante sowie elaborierte Vokalsätze und Choreographie aus. Señor Feliz, seit Mitte der 1990er aktiv, hat enge Verbindungen zur ersten Liga des Merengue auf der DomRep. Bekannt wurde er nämlich als Leadsänger für ChiChi Peralta, der wiederum als Perkussionist bei Juan Luis Guerra diente. Solo ist der Vokalist mit der auffällig zarten Stimme seit 2000 unterwegs. "Los Amores" stammt aus seinem zweiten Album Amor De Locos und lässt im Text nochmals alle Liebschaften des Crooners Revue passieren.

Eine Kuriosität auf dem Zielhafen unserer Kreuzfahrt - MILITANT ist das brachiale Pseudonym für Bryan Paton, der auf dem südamerikanischen Kontinent, in Guyana groß wurde, seit seinem elften Lebensjahr jedoch auf Trinidad lebt. Unermüdlich seit seinen Teens gründete er schon als Pubertierender die Band High Energy, war jedoch von Beginn an auch solistisch unterwegs. Zu seinen Idolen gehören die Größten: Marley und Peter Tosh werden da genannt, aber auch die Calypso-Kings Mighty Sparrow und Shadow. "Hot & Groovy" ist eine seiner Erfolgssingles der aktuellen Zeit, ein tighter Soca-Song, der - und nun die Kuriosität, die Kenner längst erkannt haben mögen - auf ein Gitarren-Sample des Maliers Habib Koité zurückgreift.

Von Aruba bis Grenada, von Barbados bis Martinique lernen wir hier - flankiert von den großen Schwestern Kuba und Jamaika - Facetten aus musikalisch oft unterschätzten Spots kennen. So erwächst anhand der Beiträge von Inseln mit britischer, amerikanischer, niederländischer und französischer Vergangenheit ein einmaliges gesamtkaribisches Panorama.

 

 

 

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