DJ Cheb I Sabbah

La Kahena

Six Degrees/EXIL 6061-2 LC 08972 VÖ:18.7.2005 DISTRIBUTION:INDIGO

1. Esh ‘Dani, Alash Mshit 7’28"
2. Sadats 6’01"
3. Sandya 8’04"
4. a) Alla Al ‘Hbab b) Hajti Fi Gurini 9’57"
5. Madh Assalhin 8’07"
6. a) Alkher Illa Doffor b) Ad Izayanugass 8’38"
7. Im Ninalou 6’29"
8. Jarat Fil Hub 12’35"


Mit ihm auf Klangreise zu gehen, heißt, in ein betörendes Bad für alle Sinne einzutauchen. Da wehen aus der Ferne Tempelgesänge heiliger Männer herein, Brunnen am Sultanspalast plätschern, Vokalisten vom Punjab bis Madras entfalten ihre Ragas zum Groove von Tabla und Drum-Machine, massige Bässe thronen unter der klagenden Sarangi-Geige. DJ Cheb i Sabbah hat in den vergangenen Jahren indische Musik für den Club organisch wie kein anderer aufbereitet. Dass sich dieser Mann nach Hassan El Sabbah, einem persischen Mystiker benennt, ist kein Zufall: Dem klugen Sufi wurde der Besitz der größten Bibliothek der Welt nachgesagt - und der ganze Planet scheint auch auf den Turntables unseres Pultmannes zuhause zu sein. Nach seiner Indien-Trilogie und einem DJ-Mix kehrt der gebürtige Algerier und Wahl-Weltbürger auf spirituellem Wege nun zu seinen Wurzeln zurück und weiht uns mit weiblichen Vokalgästen in die Geheimnisse des Maghreb ein.

Als jüdischer Algerier wächst DJ Cheb i Sabbah in Constantine auf und bestaunt schon als Kind den bunten Teppich der von vielen Völkern geprägten Klanghistorie seiner Stadt: Die ganze Familie ist musikalisch, zwei Onkel sind berühmte Sänger des Malouf, einer konstantinischen Tradition, die die Araber und Juden während ihrer Herrschaft einst in Al-Andalus, Südspanien prägten. Das Globetrotting ist schon früh ein profunder Wesenszug: In den wilden 1960ern ist Paris sein Ziel, wo er Soul-Scheiben auf die Plattenteller der Clubs legt, und parallel dazu die Musik Indiens entdeckt. Fürs legendäre Living Theatre entwirft er schon 1968 einen Soundtrack, in der er erstmals seine ihm ganz eigene Collagentechnik anwendet. Das Theatre führt ihn auch schließlich in die USA - in den 1980ern bleibt er an der Bay Area hängen. Mit seiner exotischen Schatzkiste lehrt der unvergleichliche Mix-Künstler von Kalifornien bis New York eine wachsende Fangemeinde das globale Staunen. Sein Ruf dringt erstmals mit dem einzigartigen Shri Durga-Album von 1999 nach Europa, auf der hindustanische Traditionen symbiotisch mit dubbigen, groovenden und großflächig atmenden Strukturen verwachsen. Er arbeitet mit ‘echten’ Sängern und Instrumenten, vor Ort aufgenommen, die er später respektvoll bearbeitet. Chebs Credo bis heute: Samples sind tabu. Und immer wieder gilt, ganz wie es sein Idol Don Cherry, mit dem er auch kollaborierte, verlauten ließ: "Man kann nicht 24 Stunden am Tag tanzen" - farbenprächtige, schillernde Chill Out-Tracks sind seine Stärke. Mit zwei weiteren, dem Subkontinent gewidmeten Alben auf Six Degrees (die "Maha Maya"-Remixes und "Krishna Lila") hat "Chebiji" eine gewaltige Trilogie vollendet, an die sich der DJ-Mix "As Far As" anschloss. Und das Rätselraten begann, wo seine Reise nun hinführen würde.

Die Lösung erfahren wir auf La Kahena: DJ Cheb i Sabbah lädt uns ein zu einem "Maghreb revisited". Einen Maghreb, der sich klanglich nicht nur aus dem plakativen Arab-Pop speist, nein, vielmehr ist es ihm ein Anliegen, alle Farben Marokkos und Algeriens zu zeigen: die Mischformen zwischen arabischer und jüdischer Kultur, die hier 3000 Jahre lang friedlich koexistierte, die Traditionen der Berber, der Gnawa und Tuareg, hineinrankend in seine ganz spezifische Sound-Symbiose. Eine essentielle Rolle in seinem Maghreb-Kaleidoskop spielen Stimmen von Frauen, deren Rolle im Orient er zurecht gerückt wissen will: "Es gibt im Westen ein Missverständnis von der Araberin", sagte er kürzlich in einem Interview mit dem San Francisco Examiner, "sie werden als unterwürfig angesehen. Doch es sind dort die Frauen, die die eigentliche Macht und Energie besitzen. Männer mögen auf der politischen Bühne herrschen, aber die Frauen halten die Welt am laufen. Diesen Spirit will ich feiern." Folgerichtig ist das Album auch nach einer Powerfrau benannt: "La Kahena" war im 7. Jahrhundert eine Führerin, die die kabylischen Berber gegen eine arabische Invasion verteidigte.

La Kahena, aufgenommen in Marrakech, San Francisco, New York und New Delhi, lebt von stolzen Vokalbeiträgen, die oftmals in der Sphäre des Heiligen und Heilenden siedeln: Da sind die kreisenden Verse der legendären Raï-Diva und Khaled-Duettpartnerin Cheba Zahouania und die hypnotischen Strophen von Khadija Othmani, der Mutter des bekannten Tuareg-Sängers Baly Othmani. Haddarat aus Marokko lassen ekstatisch ihre beseelten Sufi-Poeme schweifen und B’Net Marrakech steuern in ihrem Berbergesang einem rasanten Klimax zu, kongenial begleitet vom Chebschen Programming. Überraschend die Version von "Im Ninalou" - eine sphärische jemenitische Einlage von Michal Cohen. Und einen lyrischen Ausklang gibt die Ghamati-Sängerin Nadia mit arabo-andalusischer Klassik im chilligen Gewand.

Anspieltipps:


"Sadats" (2): B’Net Marrakech zelebrieren ihre zyklischen Gesänge in allmählich anschwellender Intensität und Schnelligkeit.
"Madh Assalhin" (5): Es sind Sufi-Verse , die das marokkanische Frauenquartett Haddarat in diesem transzendentalen Mix intoniert, bevor die Entrückung in zyklisch aspirierten Lauten das Zepter übernimmt. Cheb bettet die Szenerie in krachende Dancefloor-Loops.
"Im Ninalou" (7): Die Exkursion auf jemenitisches Terrain leitet Michal Cohen, die mit zwingendem Arrangement die klassische Chartversion von Ofra Haza nochmals zeitgenössisch aufpoliert, zugleich aber mit komplettem Streichorchester poppigen Ballast von Bord wirft.

weitere Infos:

www.chebisabbah.com // www.sixdegreesrecords.com/artists.php?artist=Cheb_i_Sabbah

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