Putumayo Presents:

Italian Café

 

EXIL 5750-2 / LC 08972 / VÖ: 27.6.2005 / DISTRIBUTION: INDIGO

 

1. Fred Buscaglione: Juke Box (Berette-Malgoni) 2’22"
2. Quartetto Cetra: Un Bacio A Mezzanotte (P-Garinei - G.Kramer) 2’14"
3. Giorgio Conte: Cannelloni (Giorgio Conte) 2’54"
4. Vinicio Capossela: Che Cossè L’Amor (Vinicio Capossela) 4’14"
5. Maria Pierantoni Giua: Petali E Mirto (M.Pierantoni Giua/G.Martinell) 3’24"
6. Giorgio Conte: Gnè Gnè (Giorgio Conte) 3’27"
7. Renato Carosone: Piccolissima Serenata (Renato Carosone/Nisa) 3’23"
8. Gianmaria Testa: Dentro Al Cinema (Gianmaria Testa) 3’42"
9. Daniele Silvestri: Le Cose In Comune (Vincenzo Miceli/Daniele Silvestri) 4’16"
10. Quadro Nuevo: Tu Vuo’ Fa’ L’Americano (Renato Carosone) 3’57"
11. Gianmaria Testa: La Traiettorie Delle Mongolfiere (Gianmaria Testa/F.Bertone) 3’29"
12. Nicola Arigliano (A.Testa/R.Poes) 3’17"


Ramazotti, Nannini, Zucchero - der Stiefel hat reichlich Rockröhren von Weltformat hervorgebracht. Auch die Folkszene ist rührig, entdeckt ihr Erbe von Sizilien über Umbrien bis ins Piemont neu. Aus den Clubs zwischen Mailand und Messina dringen coole Bossa-Sounds und Mestizaje-Töne. Italiens Musiklandschaft ist vielfältig und allen Weltgegenden zugewandt. Und doch gibt es da eine Klangschattierung, die heutzutage fast in Vergessenheit geraten ist: Es ist die Musik der kleinen Cafés auf den Piazzas von Rom bis Rimini, der elegante Soundtrack zur Spritztour auf Küstenstraßen entlang der blauen Adria, die unverkitschte Begleitung zu einer romantischen Mondnacht. Der Klang des jungen Nachkriegsitalien, wo sich neapolitanische Folklore mit US-Swing, Mandolinen und Akkordeon mit Sax und Gitarre paarten. Wo der Glamour von Sophia Loren und Brigitte Bardot durch Restaurants und Clubs flitterte und man sich den Träumen der Dolce Vita hingab. Putumayo versammelt Stars der damaligen Ära mit heimlichen Nachfolgern von heute, die mit Originalität und Esprit weit übers Epigonenhafte hinausreichen. Als passende Dreingabe zur schicken Scheibe, von deren Erlösen ein Teil der Kinderhilfsorganisation Terres des Hommes zugute kommt, gibt es ein Rezept für eine echt italienische Kaffee-Spezialität.

Hochgeschlagener Trenchcoat-Kragen, Clark Gable-Bärtchen, tiefe Hutkrempe und schnelle Autos - kein Zweifel: die Photos von Signore FRED BUSCAGLIONE verraten den Amerika-Liebhaber auf Schritt und Tritt. Und er war ja selbst ein Filmstar, aber auch ein Sänger, der Lebemann, der wie kaum ein zweiter Entertainer das Nachkriegsitalien mit seiner sorglosen Philosophie verkörperte. Jazz, Swing und die leichte Muse mit einem Hauch liebenswerter Verruchtheit - das kam bei den Italienern der 1950er gut an. Doch nach dem goldenen Jahrzehnt war’s dann auch vorbei mit Fred: Stilgerecht steuerte der Charmeur mit einer Schwäche für Frauen und Whisky 1960 seinen rosa Thunderbird in einen LKW. In "Juke Box" besang er 1958 im intim swingenden Setting von einem Ausflug mit seiner Liebsten ins nahegelegene kleine Café, wo man ganz versunken dieser wundersamen Erfindung mit ihren Liedern von Doris Day und Frank Sinatra lauscht.

Ähnlich swingend geleitet das QUARTETO CETRA durch eine mondbeschienene Nacht voll trauter Zweisamkeit. Der Vierer gründete sich schon in den 1940ern, war zunächst zuständig für witzige Lieder, die das Radio live übertrug. Später sattelten die Musiker auf Theater-, Film- und TV- Aufritte um, wo sie schließlich auch in der Italo-Version des "Zauberer von Oz"-Soundtracks zu hören waren. Über Jahrzehnte hielten sich die Unterhaltungskünstler, bis sie 1988 in Bologna ihr definitives Abschiedskonzert gaben. "Un Bacio A Mezzanotte" - ein mitternächtlicher Kuss wird in der reizenden Miniatur mit schmeichelnden Vokalsätzen zelebriert, dem allerdings keine dauerhafte Liaison folgen muss. Denn unter dem Einfluss von Mond und Sternen kann man sich schnell verlieben...

Der Name spricht in der musica italiana ja Bände - allerdings ist es diesmal nicht Paolo, sondern Giorgio. Doch der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Der bärbeißige Charme und das nuschelige Understatement verraten die Familie - GIORGIO CONTE ist der Bruder des bekannteren Paolo. Kaum zu glauben, dass der Mann aus Asti 1993 erst im Alter von 52 seine Karriere als Jurist an den Nagel hängte, um den Rest seines Lebens ausschließlich Zeit für die Musik zu haben. Mit dem Bruderherz war er schon in etlichen Swingbands auffällig geworden und lieferte Paolo auch Songs aus seiner Feder. Gleich zweimal tritt er hier mit seiner witzsprühenden Poesie im Café auf: Zum einen mit dem stichelnden "Cannelloni", das sich über eine Zeitgenossin spöttelt, die eine Diät durchziehen muss, mokant in Szene gesetzt mit Saxophon und Slidegitarre. Als zweite Canzone geht "Gnè Gnè" auf das Konto von Conte. Schrammelgitarre und Klarinette umspielen hier die Story von einer verflossenen Liebschaft: Schön war die Frau, ohne Zweifel, aber sobald sie den Mund aufmachte, kam nur sinnloses Gelaber heraus. Auch jetzt, wo sie nackt für einen Kalender posiert und im Fernsehen Interviews gibt, hat sich da nichts geändert.

VINICIO CAPOSSELA ist einer der ganz großen Talente der aktuellen italienischen Songwriter-Szene. Ob man ihn - wie so oft geschehen - wirklich mit Tom Waits vergleichen muss, um seine künstlerische Potenz ins rechte Licht zu rücken? Hochoriginell verbandelt der Barde verschrobene Gaunergeschichten mit dem rhythmischen Reservoir vergangener Dekaden, trinkt dabei nicht nur von einheimischen Brunnen. Kubanisches, Tango, Gypsy-Blech, Canzone und Cabaret vermengen sich zu einem kurzweiligen, unverwechselbaren Soundtrack. Ein brillantes Schelmenstück ist ihm da mit "Che Cossè L’Amor" gelungen: Latinhafte Interludien und italienische Nostalgie-Allüren umgarnen sich, um den Background für eine eigenartige Befragung zu bilden. Capossela sondiert beim Wind, bei einem Garderobenwächter und einem tanzenden Peruaner nach der Bedeutung der Liebe. Letzterer antwortet ihm: "Die Liebe ist wie ein Kieselstein in deinem Schuh, der dich bei jedem Schlurfschritt des Boleros piekst."


Und nun der Jugend eine Chance: Erst 23 Lenze zählt MARIA PIERANTONI GIUA aus Rapallo am Golf von Genua, und schon kann sie ihre Wand mit Urkunden von Songwettbewerben schmücken. Fado, Bossa Nova aber auch italienischer Folk sind die Eckpfeiler ihres Liedermacherhandwerks, das mit ganz lyrischen Anwandlungen daherkommt. "Petali E Mirto" zum Beispiel, das luftig-lupfige Stückchen vergleicht die Freuden der Liebe mit den Düften von Lavendel, Basilikum, wilder Minze, Thymian und anderen duftenden Kräutern. "Es sind nicht Rosenblüten und Myrten, die mich zu einer Königin machen, aber wenn Du für mich einen Gedanken und ein Heim bereithältst, dann werde ich Deine Liebste und Deine Beschützerin sein." Von Maria werden wir in Zukunft noch viel hören: Gerade spielt sie ihr Debütalbum im Studio ein.

Eine Legende, in deren Musik sich der Golf von Neapel und der azurblaue Himmel spiegelt, ohne dass man sich des Schmalzes schämen müsste: RENATO CAROSONE hat es im Laufe der 1950er mit seinen inbrünstigen Liedern bis zum Star in den USA gebracht und dort maßgeblich dazu beigetragen, dass für mediterrane Töne in Übersee eine Lanze gebrochen wurde. Neapolitanische Folklore mit Mandoline im Verbund mit Boogie Woogie und Jazz - das war Signore Carosones Markenzeichen. Vor knapp vier Jahren erst, am 20.Mai 2001 starb der Sänger 81jährig. "Piccolissima Serenata" ist eine der schönsten Melodien aus seinem Vermächtnis: "Ich werde vom Ozean eine kleine Münze borgen und sie dir geben, du wirst sie auf deine wunderbaren Augen legen und ich werde in deine blauen Augen eintauchen."

Seit langem wird der Liedermacher GIANMARIA TESTA in vielen europäischen Ländern, darunter auch Deutschland, als besonnener Protokollant liebenswerter Geschichten geschätzt. 1958 in Cueno, Piemont geboren, trug er seine Histörchen zur autodidaktisch erlernten Gitarre zunächst einem lokalen Publikum vor, gewann hie und da einen Wettbewerb für Nachwuchs-Songwriter - da war er allerdings schon Mitte Dreißig. Eine Produzentin aus dem nahen Frankreich entdeckte ihn, begleitete die Aufnahme einer ersten CD. Mittlerweile sind es fünf, und nach und nach hat auch Italien selbst entdeckt, was es an diesem Meister der Zeitlupe und der Introspektion hat. Kauzig wie Testa nun mal ist, arbeitet er trotz musikalischer Erfolge weiter als Streckenüberwacher bei der italienischen Staatsbahn - das ermöglicht ihm, nur dann Künstler zu sein, wenn er es will. In diese Philosophie passt "Dentro Al Cinema" gut hinein, das sich mit der Oberflächlichkeit von Ruhm beschäftigt - zur typisch grummelnden Stimme, die von einer gestopften Trompeter konterkariert wird. Mit "La Traiettorie Delle Mongolfiere" öffnet der italienische Leonard Cohen noch einmal seinen Liederkoffer. Der Flug von Heißluftballons wird hier zum Sinnbild für die menschlichen Beziehungen: So schön und farbenfroh gleiten sie durch die Lüfte, wo sie aber gestartet sind und wo sie landen werden, das vermag niemand zu sagen."

Die Mutter eine Jazzsängerin, der Vater ein bekannter Schriftsteller - und der Sohn einer von Italiens größten Popstars. Dabei besticht DANIELE SILVESTRI nicht mit Rockröhren-Vermögen à la Eros oder Gianna, nein, poetische Spitzfindigkeit und originelle Kompositionen haben ihn in die Herzen von Millionen katapultiert. Silvestri experimentiert seit seinem Debüt von 1994 mit Jazz, Latin, Dancefloor- und Electronica-Einflüssen und repräsentiert damit eine ganz neue Singer-Songwriter-Generation des Italo-Pops. Bei seinem Erscheinen 1995 gewann der vorliegende Song, "Le Cose In Comune" gar den italienischen Grammy. Das Thema dieses Canzone D’Amore mit leichter Jazz-Nostalgie sind die Dinge, die ein Liebespaar gemeinsam hat - der einzige Unterschied: Seine Augen sind so normal und ihre - soooo wunderschön.

Nun kommt nochmals RENATO CAROSONE zum Einsatz, allerdings mit instrumentalen Mitteln. Sein größter Hit, das in den Staaten 1956 so beliebte "Tu Vuo’ Fa’ L’Americano", wird hier von QUADRO NUEVO verewigt. Salzburg war 1996 die Geburtsstube dieser Formation um den Gitarristen Robert Wolf (bis dato im Touraufgebot von Paco De Lucia), der mit dem Saxophonisten Muro Francel, Bassist D.D.Lowka und Akkordeonist Andreas Hinterseher eine Combo ins Leben rief, die sich zunächst mit Hingabe dem Tango und der Straßenmusik widmete. Später aber eignete man sich ein Instrumentarium von Bouzouki bis Daumenklavier, von Mandoline bis Psalter an, schweifte klanglich durch Klezmer, Mittelmeer und Orient - und vor allem: spielte auf mehr als 1000 Bühnen. Das Carosone-Stück passt herrlich ins grenzenlose Adaptionsvermögen des Quartetts, genau wie die Vorliebe der vier Herren für ein gutes Tässchen Mokka in das Italian Café.

Zum Schluss ganz in den Süden: Der 1923 geborene Jazzer NICOLA ARIGLIANO stammt aus Lecce, wo er es schon mit 11 nicht mehr aushielt. In den Nachtbars von Mailand versuchte er sich als musizierender Jungspund, der Erfolg kam dann in der Nachkriegszeit, als er auch in einigen Filmen in Erscheinung tat. Drei Dekaden lang ruhte er sich vorzeitig auf dem Altenteil aus, um sich 1996 nochmals zu einem sagenhaften Comeback aufzuraffen. Seitdem hat er vier Alben eingespielt und bekam dafür viel Lob von der renommierten San Remo-Jury. Hier singt der 80jährige zum Abschluss über die Kindfrau "Carina", während eine halbakustische und jazzige Saxophon-Kaskaden die Altmeister-Stimme begleiten.

Ob man das schnaubende Geräusch der Espressomaschine bevorzugt, oder beim Hören lieber einem Capuccino, gar Latte Macchiato frönt - das nostalgische Lebensgefühl von Bella Italia kehrt umgehend zurück in die graue Wohnstube, kitschfrei, mit kleinen Gesten und großem Herzen. Ein würdiger Nachfolger für den seelenverwandten Vorgänger French Café.

 

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