Miriam Makeba

Biographie 2004

Mit ihrem Welthit "Pata Pata" schaffte es MIRIAM MAKEBA als erste afrikanische Künstlerin in die US Top Ten, sie spielte mit Pop- und Entertainment-Prominenz wie Hugh Masekela, Harry Belafonte und Paul Simon. Auch in der Politik war sie oft anzutreffen: Ihre Konzerte vor Präsidenten und Königen, ihr Kampf gegen Rassentrennung, ihre Reden vor der UNO und die Gründung von fünf NGOs — all das machte Miriam Makeba zu einer Person des Weltgeschehens. In vielen Ländern sind Straßen und Kalendertage nach ihr benannt, sie erhielt eine Vielzahl von Auszeichnungen, sowohl für ihre Musik wie auch für ihr soziales und politisches Engagement. 1990 wurde "Mama Africa" vom soeben befreiten Nelson Mandela gebeten, nach über 30 Jahren im Exil endlich in ihr Südafrika zurückzukehren. Seitdem erlebt die heute 72-jährige eine beispiellose Verehrung zuhause und in der ganzen Welt, sie hat einige ihrer besten Alben veröffentlicht und ist noch immer unermüdlich auf den Musik- und Politbühnen der Welt zu Gast.

Von Johannesburg nach Johannesburg

Am 4. März 1932 in Johannesburg geboren, hat sie gleich zu Beginn ihres Lebens einiges Leid durchzustehen. Denn ihre Mutter ist nicht nur Dienstbotin, sondern auch eine Sangoma, eine der weisen Frauen aus dem Stamm der Xhosa, deren rituelles Wissen den Schergen der Apartheid verdächtig ist. Das Baby Miriam verbringt daher die Hälfte seines ersten Lebensjahres mit seiner Mutter, der vermeintlichen Zauberin, im Gefängnis. Überhaupt ist ihre Jugend alles andere als rosig. Trost und Zuflucht vor der Missachtung als Schwarze in jedem nur erdenklichen Lebensbereich findet das Xhosa-Mädchen in den sonntäglichen Zusammenkünften mit Freunden: Man lauscht den aktuellen Jazzplatten von Ella Fitzgerald und Billie Holliday. Bald entdeckt sie ihr stimmliches Talent im Kreise der Cuban Brothers, die sich an Jazzstandards, aber auch an Liedern in allen Stammessprachen Südafrikas versuchen. 1952 werden bei einem Auftritt die Manhattan Brothers, damals eine der bekanntesten Gruppen des Landes, auf die "Nachtigall" aufmerksam. Mit einem Repertoire von afrikanischen Volksliedern bis hin zu Coverversionen der Ink Spots tingeln sie fortan mit ihr durch Großstadtspelunken und Hotelbars - bis in den Kongo - und erstmals dringt die Leuchtkraft von Miriams Stimme nach außen. Doch trotz der enormen Popularität der Band durchziehen bittere Erfahrungen der Ausgrenzung das Musikerleben: Nach einem schweren Unfall, den die Gruppe unterwegs erleidet, wird ihr jede ärztliche Hilfe verweigert.

Nach und nach emanzipiert sich Miriam Makeba von ihren männlichen Kollegen: Eine erste Single wird unter eigenem Namen aufgenommen, sie formt das legendäre Frauen-Trio The Skylarks, übernimmt eine Rolle im populären Musical King Kong, die sie 1959 einem größeren Publikum bekannt macht und bei der sie ihren späteren Mann Hugh Masekela kennen lernt. Sie tritt in der Show African Jazz & Variety auf, wo sie von Lionel Rogosin entdeckt wird. Der US-Filmer engagiert sie für einen dreiminütigen Gesangsauftritt in seiner Anti-Apartheid-Doku über die Townships — als Come Back Africa beim Filmfest Venedig und in den Staaten gezeigt werden soll, begleitet ihn die 27jährige zu Promotion-Zwecken. Sie verlässt ihre Heimat, ohne zu wissen, dass sie nicht wiederkehren würde.

Binnen Wochen (!) erfährt Makeba Ende 1959 einen schier unglaublichen Aufstieg zu immenser Popularität: ihr Mentor und "großer Bruder" Harry Belafonte, den sie in London kennen lernt, erschließt ihr Auftritte in Los Angeles und New York, wo sie im Village Vanguard debütiert. Anwesend im Publikum sind an jenem legendären Premieren-Abend Duke Ellington, Miles Davis, Nina Simone und Sidney Poitier. Und dank des Respekts, den ihr das europäische und amerikanische Publikum zollt, wird aus dem schüchternen Mädchen eine selbstbewusste Frau, die beginnt, die Unterdrückung ihres Volkes anzuprangern. Zur selben Zeit verliert sie drei Onkel, die sich in Sharpesville am ersten Protestmarsch der südafrikanischen Schwarzen gegen ihre weißen Unterdrücker beteiligen. Und schließlich verweigert ihr das südafrikanische Konsulat die Rückreise, als ihre Mutter stirbt. Miriam Makeba wird für sage und schreibe 30 Jahre zu einer Verbannten.

In den USA strebt ihre Gesangskarriere unaufhaltsam von Gipfel zu Gipfel: Sie verkehrt mit allen großen Jazzern der Sechziger, unter ihnen Dizzy Gillespie, schult ihren Gesangsstil an Sarah Vaughan und Carmen McRae, tourt intensiv mit Belafonte und singt 1962 auf der Geburtstagsparty von John F.Kennedy (wo auch Marilyn Monroe mit "Happy Birthday" auftritt!) den berühmten Song "Wimoweh" alias "Mbube" (oft gecovert als "The Lion Sleeps Tonight"). Ermutigt durch die Aktionen der Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King, Jr. spricht sie 1963 erstmals vor der UNO und verlangt dort, einen Boykott gegen das Apartheid-Regimes zu verhängen. Prompt werden ihre Platten in der südafrikanischen Heimat verboten. Gleichzeitig jedoch erringt sie große Sympathien in vielen afrikanischen Staaten, die gerade dabei sind, sich von ihren Kolonialherren loszusagen. Sie gastiert bei etlichen schwarzen Staatsoberhäuptern wie dem äthiopischen Kaiser Haile Selassie und dem Präsidenten von Guinea, Sekou Touré, und nimmt an Konferenzen der Organisation zur afrikanischen Einheit teil. Eine turbulente Zeit in den USA beginnt: Sie ist vorübergehend mit ihrem ehemaligen Jugendfreund, dem Trompeter Hugh Masekela verheiratet, gewinnt für ihr Duo-Album An Evening With Miriam Makeba And Harry Belafonte (1965) einen Grammy als erste afrikanische Künstlerin überhaupt, und das schlichte Tanzlied "Pata Pata" zementiert 1967 endlich ihren weltweiten Ruhm. 1969 lädt Sekou Touré sie nach Guinea ein und gewährt ihr Asyl. Denn das Klima war trotz des stetig wachsenden Erfolges in den Vereinigten Staaten eisig für Miriam geworden. Wegen ihrer Beziehung zu Stokeley Carmichael, dem Bürgerrechtler und "Ehren-Premierminister" der Black Panther Party, hatte man begonnen, auch sie rund um die Uhr zu beschatten, und ihre Engagements wurden sukzessive gekündigt.

In Guinea baut Miriam Makeba ein neues Ensemble auf, das auch Mitglieder des berühmten Staatsensembles in seinen Reihen beherbergt. Zur Touristenattraktion wird ihre "Sambesi"-Disco in der Hauptstadt Conakry. Verschiedene Länder des Schwarzen Kontinents verleihen ihr die (Ehren-)Staatsbürgerschaft, 1972 überreicht ihr gar Fidel Castro ihren kubanischen Pass. Triumphale Auftritte in Kuba, England und Deutschland mehren ihren Ruhm. Auch Tochter Bongi, die wie die beiden Enkelkinder mittlerweile in Guinea Wurzeln geschlagen hat, erntet erste Anerkennungen als Sängerin. Sie orientiert sich an einem jazzigeren Stil und schreibt Stücke für die Shows der Mutter, die in ihr Repertoire nun auch eine große Zahl Protestlieder aufgenommen hat, darunter Soweto Blues aus der Feder ihres Ex-Mannes Hugh Masekela. Der Song bezieht sich auf die 1976 aufkeimenden und gewalttätig niedergeschlagenen Unruhen in Soweto.

Nachdem sie 1986 den schwersten Schicksalsschlag ihres Lebens allmählich verwunden hat, den Tod ihrer Tochter Bongi im Alter von 34 Jahren, die wie Miriams eigene Mutter offenbar von Wesen der Geisterwelt besessen war, steht sie 1987 im Rahmen der Graceland-Tour mit Paul Simon für die globale Wiederentdeckung südafrikanischer Klänge auf der Bühne. 1990 darf sie endlich die Befreiung ihres Landes erleben. Nelson Mandela, dem sie am Anfang ihrer Karriere begegnet war, hatte damals, als junger Vorsitzender des ANC bereits gespürt, dass aus "diesem Mädchen etwas ganz Besonderes werden würde." Dieser Mann bittet sie nun, umgehend zurück in die neugewonnene Heimat zu kommen.

Heimgekehrt

Heute lebt Miriam Makeba wieder in Johannesburg und wird mehr denn je gefeiert. Ein weihnachtlicher Auftritt vor dem Papst, die Teilnahme am Harry Belafonte Tribute in New York sowie ausverkaufte Gastspiele in der Londoner Royal Albert Hall und im Pariser Olympia, aber auch hierzulande etwa beim renommierten Africa Festival in Würzburg krönen ihre Laufbahn in den Neunzigern. Parallel dazu engagiert sie sich weiterhin für Menschen- und speziell für Frauenrechte, gründet das "Makeba Rehabilitation Centre For Girls" in Balfor nahe Johannesburg. Auch ihre Diskographie wurde um weitere Meilensteine bereichert. Homeland, ihr Werk zum Jahr 2000 ist uns allen noch im Ohr: Mächtige und souveräne Pop-Arrangements künden davon, dass der jahrzehntelange Kampf für ein Leben in Würde nicht umsonst war.

Alles andere als ruhig, ja durchaus bewegt waren die vergangenen Jahre: Ende 2001 erhält Miriam Makeba in Berlin als erste Frau die Otto Hahn-Friedensmedaille der Deutschen Gesellschaft der Vereinten Nationen. Am 4. März 2002 — ihrem 70. Geburtstag — wird bekannt, dass die Grande Dame der afrikanischen Musik mit dem Polar Music Prize ausgezeichnet werden soll. Der schwedische König Carl-Gustav überreicht ihr den mit über 100.000 Euro dotierten Preis am 8. Juni in Stockholm. Und währenddessen tourt Frau Makeba eifrig weiter durch Europa, Nordafrika und die USA, ist beim Montreux Jazz Festival genauso zu Gast wie in der Hollywood Bowl mit großem Orchester. Zahlreiche Kompilationen erscheinen im Zeitraum seit Homeland: Eine Retrospektive mit alten Aufnahmen der Guinea-Zeit, verschiedene "Best Of"-Koppelungen, kürzlich gar ein bis dato unbekannter Mitschnitt eines Konzerts aus Stockholm von 1966. Doch all dies sind nur Vorboten auf das brandneue Opus, welches nun mit Reflections vorliegt.

 

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