Geoffrey Oryema

WORDS

EXIL 4362-2 | LC 08972 | VÖ: 14.04.2004 | DISTRIBUTION: INDIGO

 

Mächtig heult die verzerrte Slide-Gitarre auf, sparsame Keyboards und kernige Rockdrums gesellen sich hinzu. Dann erhebt ein Mann die Stimme, der mit seinem sanften, zugleich mythischen wie erdigen Timbre auf immer unverwechselbar in unserer akustischen Erinnerung verankert ist. Verwundert reiben wir uns die Ohren — vor vier Jahren sang er mächtigen, rituell verwurzelten, tribal pulsierenden Afro-Pop, der ihn auf dem Album "Spirit" uneinholbar an die Spitze sämtlicher Weltmusikcharts katapultierte. Und nun: ein Werk mit gepflegtem rockigem Songwriting? Sich über alle Hörerwartungen geschickt hinwegsetzend vollzieht der Weltbürger GEOFFREY ORYEMA auf seinem fünften Wurf "Words" einen unerwarteten Kurswechsel. In einer Kapelle im beschaulichen Südengland umgab er sich mit einem neuen Team, das ihn in ein weiteres, spannendes Kapitel seiner Vita geleitete.

Die gestaltete sich bislang schon abenteuerlich genug. Schon in der Heimat, Ugandas Hauptstadt Kampala, absorbiert Geoffrey als Heranwachsender zugleich traditionelle Klänge in Gestalt der Harfe Nanga, wird andererseits mit westlicher Kultur während des Studiums auf der Theaterschule konfrontiert. Sein Vater fällt als Minister dem blutigen Bürgerkrieg Idi Amins zum Opfer, woraufhin der Sohn mit 24 Jahren traumatisiert vor dem Terror-Regime nach Europa flieht. Paris wird seine neue Heimat und hier experimentiert er zunächst mit seinen ugandischen Wurzeln, die er feingliedrig mit Harfe und Daumenklavier auf dem Debüt "Exile" im Teamwork mit Brian Eno verwebt. Weitere Prominenz in Gestalt von Daniel Lanois und Lokua Kanza beehrt die wie der Erstling auf RealWorld lancierten Nachfolgewerke "Beat The Border" und "Night To Night". Hier schreitet Oryema teils in Ambient-Pop-Manier voran, langt aber auch rockig bombastisch zu. Von Swahili-Poesie wechselt er verstärkt zu englisch gedichteten Zeilen. Weltweite Touren und Auftritte mit Rockgrößen wie Sting und Elton John etablieren GEOFFREY ORYEMA nicht nur in der Sparte Weltmusik.

Im Jahr 2000 schenkt der Exil-Ugander der Welt sodann mit Spirit sein Magnum Opus. In eine neue Form gegossen ist seine sensible Lyrik, mit druckvollen Arrangements versehen, die perkussiv vorantreiben, eine funkige Legierung aus Mythischem und Poppigem schaffen. Europaweit kann sich niemand der Wirkung des Werkes entziehen. Die Crew der World Music Charts Europe traut am Ende des Jahres kaum ihren Augen. Niemals zuvor hatte es ein Künstler geschafft, mit derart großem Abstand in der Jahresauswertung auf Platz 1 zu thronen. Der würdevolle Zyklus von Kompositionen, die von der ostafrikanischen Heimat genauso wie von Pariser und Londoner Urbanität kündeten, ist der Überflieger des jungen Milleniums.

Schon damals lautete die Frage: Wie würde der Musiker diesen Meisterstreich toppen können? Dessen Antwort ist denkbar einfach, dennoch verblüffend: Um die geschürten Erwartungen kümmert sich der "Leonard Cohen Ugandas" wenig, sucht vielmehr einen kreativen Neubeginn, eine Herausforderung auf einem Parallelgleis. Und die heißt: Rückkehr nach Wiltshire, zu den Schauplätzen seiner RealWorld-Zeit von 1990-1996. Eine Rückkehr allerdings unter veränderten Vorzeichen.

Nochmals hat dieser vielleicht ungewöhnlichste aller euro-afrikanischen Künstler seine musikalischen Errungenschaften aus einem Vierteljahrhundert Exil für Words neu gebündelt. Von der melancholischen Lyrik der Anfangsjahre blieb noch eine Ahnung vorhanden, der gewichtige Rock-Bombast aus seiner mittleren Phase ist in kompaktes Songwriting geläutert. Anspielungen an ostafrikanische Roots verstecken sich weiterhin in den Texten, Vorfahren und Dschungelkrieger werden angerufen, jedoch spielerischer als auf Spirit. Ab und an scheinen sogar keltische Folktöne auf. Im Brennpunkt jedoch stehen Liebeslieder, zart in den Zeilen, rockig in der Umsetzung. Ausbaldowert hat der wandelbare Barde die Arrangements in einer presbyterianischen Kapelle mit dem Studio-Ass und Langzeitfreund Adrian Chivers, ehemals für Peter Gabriels Label in Diensten. Der besorgte exzellente Session-Musiker für die Backing Band: Den stilübergreifenden Bristol-Bassisten Jeff Spencer, den nylon- und slide-versierten Gitarristen Jerry Crozier Cole, für die Keyboards Martin Badder, fürs Schlagzeug Ian Matthews. Frauliche Vokalwärme verströmt keine geringere als Peter Gabriels Tochter Melanie, die auf der letzten Live-Tour des Daddys internationale Anerkennung fand. Troy Donockly, Celtic Folk-Freaks bestens als Piper von Iona bekannt, steuert atmosphärisches Blaswerk bei. Die poetische Ader brachte Nadine Marchal in Wallung, die mit Geoffrey zusammen sämtliche Songs geschrieben hat, sich neben Melanie Gabriel auch als Vokalistin hervortut.

Mit diesen eigentlich unspektakulären Ingredienzien entstand ein rundes Werk, unverwechselbares Unikat wie alle vorhergehenden Alben von GEOFFREY ORYEMA. Sei es zu mächtigen E-Gitarren, zu fröhlichem Reggae-Flair, luftigen Folkpoemen, oder mythischer Aufladung, auf "Words" schweift seine einzigartige Stimme einfühlend und bewegend durch alle Stimmungen. Er porträtiert sich selbst, wie er bilingual durchs liebgewonnene Paris wandelt, findet sich an den Gestaden seiner Kindheit wieder, möchte eine Liebe zur Ewigkeit überreden, erzählt vom geheimnisvollen Reisenden der Nacht.

Nach dem elementaren "Spirit", das fast archetypisch die Seele des Hörers angesprochen hatte, wählt sich GEOFFREY ORYEMA diesmal unser Herz aus. Rockige Love Songs, zwischen denen Stationen seines Lebens Revue passieren, Träume und Reisen, die in markanten, bilderreichen Versen reflektiert werden — dies ist der Tenor von "Words", eine frische Perspektive aus der immensen Klaviatur des Chamäleons unter Afrikas Songschreibern.

Anspieltipps:

- "Forever" (1): in einem bestechenden Folkrock-Kleinod erzählt Geoffrey von einer zärtlichen Liebe: "An manchen Tagen wünschte ich, ich könnte die Flügel für Deine Zukunft sein, an manchen Tagen wünschte ich, unsere Liebe könnte eine Million Lieder auf Deiner Zunge sein."

- "Flying" (6): Zu swingend-rockigen Gitarrenriffs und perlendem Piano kehrt Geoffrey Oryema nach einem Vierteljahrhundert zurück zu seinen Wurzeln: "Im ersten Licht des Tages gleitet mein Schatten über den Viktoria-See, die Geister meiner Vorfahren fegen meine Angst hinweg, die Erde öffnet ihre Arme und erleuchtet Schönheit und Ruhm."

- "Lonely Traveller" (10): In einem launigen, vorantreibenden Zwitter-Groove zwischen Soul und Rock wird die Geschichte des einsamen, nächtlichen Reisenden erzählt, der an die Tür des Mondlichts klopft, mit eisernen Schritten über die Steine eilt.
"Masai Moran" (11): Regenwald trifft Dudelsack! Ein mächtiges Finale, das mit tribalen Background-Gesängen und keltischen Folkrock-Elementen den Mythos des Masai-Kriegers beschwört.

 

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