Ojos De Brujo

Remezclas de la Casa

EXIL 4265-2 | LC 08972 | VÖ: 16.02.04 | DISTRIBUTION: INDIGO

"Right now, I think OJOS DE BRUJO is my favourite group in the world." (Charlie Gillett, BBC Radio London).

–STOP PRESS– London, 31.01.2004: OJOS DE BRUJO gehen bei den BBC Radio 3 Awards for World Music als Sieger in der Kategorie Europa hervor.

"HIP HOP FLAMENKILLO" - so blinkt es einem stolz von ihrer Website entgegen. Hinter dem schlagkräftigen Slogan, diesem wie knalliges Graffiti tönenden Leitmotiv versteckt sich eine der wenigen Sensationen, die die Weltmusik-Gemeinde im Jahre 2003 feiern durfte: OJOS DE BRUJO, das ungezähmte Ensemble aus Barcelona, die "Augen des Hexers". Verhext haben sie sowohl Fachwelt als auch Publikum: Von der WOMEX bis zu WOMAD, von der PopKomm bis zu den Pirineos Sur bohrte sich ihre Pionier-Mischung aus Flamenco und urbanem Beat, aus Rumba, Reggae und Rap in die Gehörgänge wie der explosive Absatz eines Tanzschuhs in den Pflasterstein der Altstadtgassen. Das erste Mal in der Geschichte der spanischen Musik siedeln nun völlig natürlich, ja, symbiotisch, Scratches und Sampling neben seelenvollem Canto und Cajón-Perkussion, Gitan-Gitarre und funkigem Bass. Ein Warnsignal an die seichte "Lolailo"-Fraktion, die Seele des Flamenco nicht zu verraten, seine Wurzeln auf der Straße wiederzuentdecken. Nach dem Erfolg des Albums Barí dringen nun aus den Räumen der farbigen Flamenco-Fabrik noch gewagtere Töne: Panko, fester DJ des Kollektivs und flinke Turntable-Legende des legendären Club Mestizo in Barcelona, hat die Klangmagie der Band nochmals durch sein Pult geschleust. Das durchdachte Remix-Resultat aus eigenem Hause nennt er stolz "Vision Eléctrico-Espacial".

Mitte der Neunziger packt den Bassisten Juanlú die Reiselust. Im Barrio Chino von Barcelona aufgewachsen, durch Projekte in Rock, Pop, Jazz und Flamenco gleichermaßen genährt, macht er sich auf nach L.A. und Brasilien, um neue Einflüsse aufzusaugen. Bei seiner Rückkehr in die katalanische Metropole stößt er auf den Gitano Ramón Giménez, der die Rumba mit der Muttermilch aufgesogen hatte, sich aber als Gitarrist bis in den Heavy Metal-Bereich vorgewagt und schon als Jugendlicher für die Breakdance-Bewegung begeistert hatte. Außerdem gesellte sich Dani El Mono Loco zu den beiden, ein unorthodoxer Produzent und Kopf der Band Macaco. Nach etlichen Jam-Sessions geraten die drei in den Umkreis eines alternativen Künstler-Kollektivs, in dem sich seit Jahren schon rege Aktivitäten von Musik und Tanz über Theater und Kino bis hin zu graphischer Kunst entfalten. Aus dieser wuselnden "Fábrica de Colores" kristallisiert sich um das Trio ein multinationaler musikalischer Ableger heraus, der sich den magischen Namen OJOS DE BRUJO gibt.

Schillernde Artisten prägen diese sich regelmäßig mit neuen Köpfen bereichernde Band von ihrer frühesten Phase bis heute: Da wäre die einzigartige Sängerin Marina "La Canillas" Amad, eine gebürtige Valenciana, die mit 11 Frauen in der Straßen-Theatergruppe Aguita Troupe wirkt. Als ihr Ramón und Juanlú auf Formentera ein Tape mit ihrem neuen Flamenco vorspielen, siedelt sie ohne zu zögern nach Barcelona über, stellt sich in den Dienst der neuen Fusion. Da ist Cajón- und Tabla-Maestro Xavi Turull, der seine Meriten u.a. schon bei Ketama oder der Popsängerin Rosario Flores verdient hatte, einen reichen Erfahrungsschatz auch aus der kubanischen Musik mitbringt. Die Percussion-Sektion wird verfeinert durch Sergio Ramos und Max Wright, letzterer zaubert nicht mit den Fingern sondern mit seinen Stimmbändern die Beats, deren elektronisches Fein-Tuning von DJ Pankos Fingern in den Mix eingespeist wird. Loli schließlich sorgt für den authentischen Flamenco-Tanz, aus Chile stößt später Antonio Restucci mit seinen Saitenzaubereien dazu.

Das alternativ-musikalische Biotop Barcelona heißt seit einigen Jahren nicht umsonst Zona Bastarda. Wo auch schon Manu Chao, Wagner Pá, Macaco, Color Humano oder Amparanoia gediehen, wo Rumba Gitan, Flamenco, und Club-Kultur Tür an Tür existieren, im Barrio Góthico, bietet sich der ideale Nährboden für die verrückten Ideen der OJOS. Hier verschmelzen die Bausteine der Band denn schließlich auch zu ihrem charakteristischen Stil, imposant eingefangen auf ihrem ersten Album Vengue (2001). Die Basis ist ihre gemeinsame Liebe zum Flamenco, und der aus ihm entwickelten Rhythmen wie Rumba, Tango, Tanguillo, Buleria, Soleá - darauf und darunter schichtet man dann in lustvoller Mestizo-Manier HipHop und Funk, Reggae und Ragga, aber auch kubanischen Són: "Zwischen Bulerias und Funk gibt es durchaus Verwandtschaften im Rhythmus, Reggae und Tango vermählt sich ebenso ohne Zwang", erklärt Ramón im Interview mit Silvia Calado Olivo von www.flamenco-world.com. "Super Flamenco" nennt Marina die gewagte Synthese und sieht sich mit den OJOS durchaus in der Nachfolge klassischer Flamenquillos wie Camarón, dem sie ein Stück gewidmet haben: "Flamenco war von jeher eine Mischung, ob das nun die Puristen mögen oder nicht. Er hat von arabischen, jüdischen, andalusischen Quellen getrunken. Die Gitanos haben zum Austausch beigetragen mit ihrem Nomadentum, haben ihre Elemente dazugegeben und von Andalusien mitgebracht. OJOS DE BRUJO folgen lediglich den Flamenco-Künstlern, die schon immer für eine Öffnung standen wie Camarón. Der Flamenco wechselt sein Gesicht, so wie seine Umgebung, war immer sowohl Ausdruck persönlicher, existentieller Gefühle wie auch Klage und Protest gegenüber der sozialen Realität."

Dass die Botschaft von OJOS DE BRUJO eine Botschaft der Straße und der Offenheit gegenüber Veränderungen ist, nicht die der Akademien und Stuben der Professoren, werden sie nicht müde zu betonen. Auf ihrem Album Barí, das im September 2002 erschien, zeigt sich das gleich mehrfach. Es präsentiert sich als Gesamtkunstwerk, an dessen Booklet die Straßenkünstler und Graffiti-Meister der "Fábrica de Colores" maßgeblich beteiligt waren. Die Lyrics künden von urbanem und globalem Engagement, erzählen von Liebe genauso wie vom fahrenden Volk und von der Armut maghrebinischer Street Kids im Barrio. Pankos Electronica wird nun weitaus mehr Aktionsfläche zugestanden, und nicht zuletzt vollzieht man eine spannende Globalisierung durch Gäste wie den ungarischen Geiger Zoltan Lantos oder den Senegalesen Cheikh Lô. Um die Kontrolle über ihre eigene Produktion zu behalten, veröffentlicht die Combo das Werk gemäß ihrer alternativen Philosophie auf dem fabrikeigenen Verlag, dessen Videokünstler dann auch die Clips zu den Barí-Stücken drehen. Erstaunlich, dass das Album ohne Betreuung durch ein größeres Haus in fast allen maßgeblichen Weltmusik-Charts gelistet wird, sich während der Tourneen der OJOS durch ganz Europa zum heimlichen Renner entwickelt. Der Erfolg von "Barí" sorgt dafür, dass die Gruppe gerade eben bei den Awards for World Music des BBC Radio 3 in der Kategorie Europa gewinnen konnte.

Doch schon schleudern die "Augen des Hexers" eine neuen Bann auf die weltweite Fangemeinde. Verantwortlich dafür ist Panko, fester Pultmeister der Band, dem ominösen DJ-Zirkel zwischen Barcelona und Ibiza, sowie dem berühmten Club Mestizo der Gaudí-Metropole zugehörig. Und ein waschechter Barcelona-Bürger mit Leib und Seele, der Jon Perry (www.madrid.lanetro.com) über seine Liebe zu "Barna" verriet: "Ich liebe die Stadt, bin in Las Ramblas geboren und habe dort viele Veränderungen erlebt. Ich denke, dass man aber noch mehr tun könnte, anstatt zu zerstören und Wohnblöcke hinzusetzen eher den mediterranen Charakter einer Stadt zu erhalten, die sich gegen die Vorgänge auf globaler Ebene ausspricht. Es ist natürlich, dass sich all das in der Kunst und Kultur reflektiert, denn sie waren stets das Medium für ein solches Engagement."

Panko nahm sich die packendsten Stücke von Barí noch einmal zur Brust: Im großen Magierkessel hat er sie in einer "elektronisch-spacigen Vision" neu aufgebrüht und liefert nun — mit Unterstützung von Ramón bei einem Track —sechs exzellente Remezclas de la Casa. Schon in der regulären Band-Arbeit hatte er eine spezielle Technik entwickelt, um sich mit seinen Beats und seinem Scratching auf die komplexe Flamenco-Rhythmik einzustellen, hatte eine Brücke zwischen HipHop-Energie, iberischer Dynamik und indischen Perkussions-Tupfern geschlagen. In den Remezclas kann er nun noch vordergründiger seine Mix-Talente auffächern: Aus der ohnehin schon betörend kreisenden indo-arabo-andalusischen Nomaden-Hymne "Zambria" wird in Pankos "Space Zambramix" ein trancig schweifender Dancefloor-Killer, der Lantos’ lyrische Violine, die stechend-rasanten Stimmen von Marina und Max und harte technoide Beats koppelt. "Tiempo de Soleá" mutiert zu einem nervösen von Drum&Bass infizierten "Tiempo de Drumba", wo die Gypsy-Gitarre und Marinas expressive Flamenco-Exklamationen inmitten eines ausgeklügelten Jungle-Aufbaus wohnen. "Quien Engaña No Gana" schließlich hat vielleicht die verblüffendste Metamorphose durchgemacht: Aus dem feingliedrigen Flamenco-Rap wird ein schwergewichtiges Industrial-Arrangement mit stampfenden Maschinenbeats und grummelnden Keys zum Sprechgesang, in die aber immer wieder akustisch transparente Fenster eingelassen sind.

Mit diesem "Sonderzug von Panko" ist das Elektronik-Fieber in der "Fabrik der Farben" ausgebrochen. Der "HipHop Flamenkillo" von OJOS DE BRUJO erweist sich nach der Behandlung durch ihren Pultmeister als dancefloor-tauglich wie kaum eine andere Musik aus der Bastardzone Barcelonas. Und allen globalen Clubbern sei verraten: Koriphäen wie DJ Vadim und Mad Professor haben sich von DJ Panko stimulieren lassen, haben justament ebenfalls Elektro-Flausen zum Repertoire der Hexer auf Vinyl gepresst.

 

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