Putumayo Presents:

Christmas Around The World

EXIL 2783-2 | LC 08972 | VÖ: 13.10.2003 | DISTRIBUTION: INDIGO

Die Sommerhitze ist gewichen und fast nahtlos glänzt es uns schon weihnachtlich aus den Kaufhäusern entgegen. Wie wäre es — in Erinnerung an heiße Wochen - mit ein paar rhythmischen Alternativen zum althergebrachten Kuschelsound aus Alpenland und Kirchengestühl? Nach dem Album A Putumayo World Christmas hat Putumayo nun mit Christmas Around The World zum zweiten Male ungewöhnliche Weihnachtslieder zusammengetragen, vorrangig aus Gefilden, in denen zu Navidad, Noël und Christmas ohnehin Hitze gehört — meteorologisch wie musikalisch. Wenn der Mann mit der roten Mütze Haiti, Cuba, Louisiana, L.A., die Camargue, Puerto Rico und Martinique abklappert, wird er auch diesmal ganz schön ins Schwitzen kommen — kühle Verschnaufpausen gibt’s in New England und Kansas.

Das karibische Weihnachtsständchen "Joyeux Noël" eröffnet multilingual die "Schlittenfahrt" durch warme Regionen. Im gemächlich schaukelnden Twoubadou-Stil, von haitianischen Saisonarbeitern auf kubanischen Zuckerrohrfeldern entwickelt, bringen uns Clifford Sylvain und seine Combo NEW YORK TWOUBADOU Segenswünsche in Kreole, Englisch, Französisch und Spanisch dar und singen vom Reveillon. Bei diesem karibischen Brauch ziehen die Menschen in der Christnacht von Haus zu Haus, um zu schmausen, zu musizieren und Blessings auszutauschen. Sylvain brachte diese Sitte nach New York, wohin er 1978 emigriert war, um bei Mongo Santamaria zu studieren. Dort gründete er auch die international gefeierte Formation Rara Machine, zuvor schon war er im Zentrum prominenter Bands der Insel gestanden, so auch bei den Ambassadeurs oder Skah Skah.

Weihnachten auf den Britischen Insel zaubert uns das NIGHT HERON CONSORT von STEVE SCHUCH auf die Ohren: In vertrauter keltischer Instrumentierung mit Pennywhistle und Violine wird das Traditional "Here We Come A-Wassailing" in schlichter Fröhlichkeit interpretiert und spiegelt die Segenswünsche von Nachbarn und Freunden zum Fest wider. Schuch und sein Ensemble aus New England haben sich spezialisiert auf weihnachtliche Melodien und zwei in den USA mit großem Erfolg bedachten Alben dieses Genres eingespielt.

Ein uns allen vertrauter Christmas-Klassiker im tropischen Gewand: 1742 von einem gewissen John Francis Wade als "Adeste Fideles" komponiert, kann man es auch als "Herbei, o ihr Gläubigen" in fast jedem deutschen Gesangsbuch finden. Hier erhält die europäische Melodie eine latinisierte Note mit kubanischen Son-Rhythmen, dezenten Streichern und neckischen Bläserein-würfen. Die weiche Stimme in "Venid Fieles Todos" gehört LIUBA MARIA HEVIA, die als herausragende Repräsentantin des Nueva Trova gilt, jener Songwriter-Szene, die mit Silvio Rodriguez und Pablo Milanés weltweit prominente Poeten vorweisen kann. Hevia besitzt über das kubanische Repertoire hinaus profunde Kenntnisse in vielen Stilen der Música Latina bis hin zu Vallenato und Tango.

Zumindest in Louisiana hat neben den Heiligen Drei Königen auch eine Königin ihren Platz in der Weihnachtsgeschichte. "Cajun-Queen" SHERYL CORMIER stammt aus einem kleinen Ort bei Lafayette und wurde von klein auf in einer musikalischen Familie mit dem Akkordeon vertraut gemacht. Bei den Sunset Playboys, der Band ihrer Eltern, begann ihre Karriere, die sie später mit ihrem Ehemann weiterführte. Vorläufiger Höhepunkt für die Tastenmeisterin: Die Gründung ihrer eigenen, ausschließlich weiblichen Cajun-Combo. Mit "St. Nicholas" interpretiert sie mit pumpendem Balg, rockigem Gitarren-Einwurf und rustikaler Geige ein traditionelles Weihnachtslied aus den Sümpfen.

Nach dem Son von Senora Hevia spannt Danilo Lozano einen anderen Rhythmus der Zigarren-Insel für einen Navidad-Song ein: Übers lockere Cha-Cha-Chá-Gefüge baut der Flötist und Musikologe, der als Exil-Kubaner in Südkalifornien die Musik seiner Heimat promotet, mit seiner Band CUBA L.A. aus bekannten Weihnachtsmelodien die Nummer "Deck The Hall" — Trompeter Harry Kim brilliert hier als Solist in der Band, die in Los Angeles zu den führenden Latin-Formationen gehört und Prominenz wie den Perkussionisten Orestes Vilató und Pianist Alberto Salsa beherbergt.

Die Wandlungsfähigkeit der Steeldrum hat sich schon in einem schier unend-lichen Repertoire zwischen J.S.Bach und Karnevalsmusik bewiesen. Warum also nicht im weihnachtlichen Kontext? Zwar stammt das aus Ölfässern gefertigte Instrument ursprünglich aus Trinidad, aber das BANKS SOUNDTECH STEEL ORCHESTRA aus Barbados, benannt nach einer lokalen Biermarke, überrascht mit einer Kokospalmen-Version von "God Rest Ye Merry Gentlemen", einem weltweit bekannten Evergreen aus dem amerikanischen Carol-Fundus.

Irving Berlin in der Camargue? Einer der weltweit bekanntesten Weihnachts-Evergreens, der durch Bing Crosbys Version unsterblich wurde, erklingt hier in einer Version jenes Klans, aus dessen Mitgliedern sich auch die Gipsy Kings bildeten. Die andere prominente Formation aus den Reihen der Großfamilie heißt LOS REYES, und bei ihnen erhält "White Christmas" durch die südfranzösische Gipsy-Färbung einen unverkennbaren Rumba-Touch.

Dort wo der Weihnachtsmann nicht auf dem Schlitten fährt, sondern sich mit einer Piroge seine Route durch die Sümpfe bahnt, wohnt MICHAEL DOUCET, schillernder Kopf des louisianischen Cajun-Revivals und über eine enorme Bandbreite an Stilen verfügend, von traditionellen Klängen bis zu rockig unterfütterten Arrangements, wie sie beispielsweise seine Band Beausoleil pflegt. In "We Three Kings" weist er mit seinem Akkordeon dem Papa Noël den Weg durch den nebligen Swamp.

Enge thematische Verwandtschaft zum englischen Traditional "Greensleeves" besitzt die amerikanische Christmas Tune "What Child Is This", die hier in einer famosen Instrumentalversion vorgetragen wird. DAN CRARY ist ein äußerst versierter Flatpicking-Gitarrist aus Kansas, der ursprünglich Konzerte in den Kirchen des Mittleren Westens gab, sich dann mit seiner Saitenkunst auf große Bühnen hievte. Mittlerweile hat er an der Seite von Größen wie Doc Watson oder Bela Fleck gezupft und ist in der Lage, alles von Mozart bis zu anglo-amerkanischen Fiddlestücken auf seine Gitarre zu übertragen.

Von Puerto Ricos Südküste, aus der Stadt Ponce, stammt PEPE CASTILLO, der seit 30 Jahren in New York lebt und dort unter anderem als Dekan an der Museo del Barrio School for the Arts für das Verständnis karibischer Kultur eintritt. Als Solist auf dem zehnsaitigen Cuatro stellt er hier den "Aguinaldo Jibaro" vor, ein Stück, das der typisch puertoricanischen Weihnachtstradition entsprungen ist: Aguinaldos werden nämlich in den sogenannten Parranda-Bands gespielt, wenn die Familien während der Festtage durch die Nachbar-schaft ziehen, um sich frohe Neujahrswünsche zu überbringen.

Der Martiniquaner KALI ist ein alter Bekannter unter Putumayo-Jüngern. Mit seinem launigen Banjo hat er schon auf etlichen Releases (z.B. "Islands"/ "French Caribbean") für ungewöhnliche Adaptionen der Antillen-Musik gesorgt. Wer jedoch hätte vermutet, dass Franz Xaver Grubers "Stille Nacht", 1818 einst vom Salzburger Land zum weltweiten Siegeszug angetreten, auch tropische Relaxtheit gut zu Gesichte steht? Kali macht’s tremolierend möglich und mogelt dazu noch leise vibrierende Steeldrums ins transparente Arrangement.

Der stimmige Ausklang kommt aus dem zentralen Bergland Kubas, wo sich die Música Campesina, die Country-Musik der Insel aus den kulturellen Mitbringseln spanischer und kanarischer Einwanderer herausgebildet hat. RAMÓN F. VELOZ, als Begleiter der Campesina-Diva Celina Gonzalez global ein Begriff geworden, hat "Paz En La Tierra" mit keckem Trompetensatz versehen und auf den Guajira-Rhythmus zugeschnitten, einen Abkömmling des kubanischen Son und des spanischen Canción.

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