Sam Mangwana

Cantos De Esperança

EXIL 2546-2 LC 08972 VÖ: 22.04.2003 DISTRIBUTION: INDIGO

Ein smarter Gigant der afrikanischen Musik kehrt zurück. Er singt in sieben Sprachen, wechselt mühelos zwischen kubanischen, kreolischen und kongolesischen Stilen, ist in Kinshasa genauso geschätzt wie in Paris oder den Staaten. Singt er Liebeslieder, unterstützt durch die perlenden Gitarren der kongolesischen Rumba, schmilzt das Publikum dahin. Seine geschmeidige Afro-Salsa fährt wie kaum ein anderer Latin-Sound vom schwarzen Kontinent in die Beine, in prä-gnanten Versen formuliert er sein politisches Engagement für Afrika. Sam Mangwana — in diesem Namen stecken vier Dekaden spannender afrikanischer Musikgeschichte. Mit seinem neuesten Werk demonstriert der 57jährige Kongolese in warmen Farben, entspannt und souverän sein Allround-Talent.

Wo Sprache und Kultur der portugiesischen Kolonialherren auf die Traditionen des schwarzen Kontinents traf, entstand stets eine besonders elegante und farbenprächtige Fusion von Klängen und Rhythmen. Als Musiker, der angolanisches Blut in den Adern hat, kann der 1945 geborene Mangwana aus eben dieser Schatzkiste lusafrikanischer Traditionen schöpfen. Seine Eltern flohen vor der Unterdrückung durch die Portugiesen, die die Einheimischen — sogar Kinder — auf den Kaffeeplantagen Angolas zur Zwangsarbeit einsetzten. Sie gelangten nach Kinshasa im damaligen Belgisch-Kongo und hier kommt Sam zur Welt. Während der Vater sich mit einem Lebensmittelgeschäft etabliert, singt die Mutter auf Hochzeiten, Beerdigungen und Festivals der angolanischen Exil-Gemeinde. Der kleine Sam entdeckt parallel dazu seine eigene musikalische Welt — mit dem Ohr am Radio, das ihm die Hits aus den Staaten, aus Spanien und vor allem Kuba zuträgt, denn viele Länder Afrikas empfingen seit den 1940ern begeistert den Son, Bolero und Cha-Cha-Cha der Zigarreninsel. Als Halbwüchsiger tritt Sam Mangwana in einen Kirchenchor ein und schon bald zeigt sich, dass hier ein Sänger mit stimmlichem Ausnahmetalent heranreift, der zudem noch über Charisma und Humor verfügt. Bald reißen sich etliche Bands darum, mit ihm auftreten zu dürfen, und niemand geringerer als Tabu Ley Rochereau, der große Rumba-Crooner des Kongo, zeigt ihm die ersten Kniffe für die große Bühne. Mangwana steigt zum Vokalstar innerhalb Tabu Leys Formation African Fiesta auf. Auf dem Höhe-punkt des kongolesischen Kuba-Craze abonniert ihn die Combo für ihr Latin-Repertoire, denn Sam kann mit dem Bonus aufwarten, dass er die portugiesische und spanische Sprache beherrscht (nebenbei übrigens auch Lingala, Kikongo, Bambara, Swahili, Französisch und Englisch!). Die Lieder des Orquesta Aragón und von Johnny Pacheco, die Kompositionen eines Tito Puente bekommen durch Mangwanas sanfte Stimme einen ganz neuen afro-kubanischen Touch. Seine Teilhabe an mehreren stilprägenden Ereignissen in der Musikgeschichte Zaires überbieten sich ab 1969 gegenseitig: Zunächst gründet er die innovative Formation Festival de Maquisards, sein Gitarrist wurde der legendäre Dino Vangu. Im Jahr darauf, gerade mal im Alter von 25, bringt er bereits sein eigenes Label Sonora in die Startspur. 1972 schließlich debütiert er bei OK Jazz, der wohl wichtigsten Tanzband zur damaligen Zeit, gefrontet vom international erfolgreichen Giganten Franco (†1989), der wie kein anderer kubanische Popularmusik durch die Folklore des Kongo zu re-afrikanisieren weiß und als Tabu Leys größter Rivale fungiert. Die Fans nehmen ihm den Wechsel ins Lager des "Gegners" übel: Im hitzigen Kampf um die musika-lische Vorherrschaft zwischen African Fiesta und OK Jazz drohen sie Mangwana, sein Haus anzuzünden.

Dem eskalierten Wettbewerb zwischen Franco und Tabu Ley entzieht sich Sam Mangwana auf kreative Weise und startet — nach erneuter, kurzer Rückkehr zu Tabu Ley - 1977 in Abidjan eine Solokarriere mit seiner eigenen Band African All Stars. In der Elfenbeinküste, aber auch Lagos und Kumasi spielt er mit seiner Truppe mehrere erfolgreiche Alben ein. Das Werk "Maria Tebbo" ist mit seinen lebhaften Gitarren-Licks und seiner fröhlichen Strahlkraft bis heute ein Klassiker dieser Epoche seiner Karriere geblieben. Mangwana wird zum Superstar in Westafrika, spielt oftmals vor 50.000 Leuten, die seinen neuen panafrikanischen Popmix aus Salsa, Afrobeat, Highlife und Beguine verehren. Ende der Siebziger schafft er über eine Konzertreihe im Pariser Bataclan den Sprung in die europäischen Ohren. Auch die Karibik liegt ihm auf seinen Konzertreisen zu Füßen.

1982 findet er zum Brennpunkt kongolesischer Klangschmiede zurück, als er mit Franco das Album "Coopération" einspielt. Doch sein Hunger, in möglichst vielen Ländern Plattenaufnahmen zu machen, scheint unstillbar. Er lässt sich im lusophonen Einflussbereich Afrikas nieder, und zunehmend treten auch seine Texte in den Mittelpunkt. Auf "Canta Mozambique", 1984 im besungenen Land eingespielt, erzählt er von der Bitterkeit der Kolonisation. Andere Verse kreisen um Themen wie Hunger und Entwaldung, und im Song "Sentence" nimmt er gar die unfähige Dritte-Welt-Politik der UNO ins Visier. "Ich will ein Afrika ohne Gewehre, wo Demokratie nicht vom Hoch und Tief des amerikanischen Dollar abhängig ist", so die Kernaussage des bekennenden Panafrikaners. Auf weiteren Scheiben aus dieser Zeit öffnet er sich für Funk und HipHop und baut sein Spektrum an kreolischen und lateinamerikanischen Färbungen aus. Als Ende der Achtziger die sogenannte Weltmusik global zu einer kommerziell wichtigen Größe wird, hat Sam Mangwana eigentlich schon alles erreicht. Doch 1991 kann er seinen Ruhm noch ausbauen, als er mit Ex-Musikern der African All Stars auf US-Tournee geht und sich einen Traum verwirklicht: Mit den Größen der New Yorker Salsa-Szene wird vor Ort ein Album eingespielt.

Gerade in den letzten Jahren hat sich der "Minstrel of Rumba" durch exzellente Veröffentlichungen unter den europäischen Aficionados afrikanischer Musik erneut ins Gespräch gebracht. "Galo Negro", erschienen 1998 bei Putumayo in Nordamerika, gewann den "Gold Star" auf den Crossroads Awards für World Music. Der madagas-sische Akkordeonist Régis Gizavo und Gitarrenheld und Landsmann Papa Noël unterstützen ihn auf diesem meisterhaften latino-kreolischen Mix. Im Jahre 2000 belebt er sein Teamwork mit Dino Vangu neu und lanciert auf dem Label Stern’s "Sam Mangwana sings Dino Vangu", eine akustische Perle der rumba congolaise, auf der sich auch die lyrischen Songwriting-Qualitäten seines Lieblingsgitarristen offenbaren. Mangwana trifft damit den Nerv für die Wiederentdeckung eines Genres, das zuletzt unter den plakativen Disco-Sounds des kommerzielleren soukous erstickt worden ist.

Und nun ist Mangwana ein definitiver Meisterwurf gelungen: Mit "Cantos De Esperança" knüpft er an die akustischen Qualitäten von "Sings Dino Vangu" und gleichzeitig an das mühelose Logieren der Stilvielfalt auf "Galo Negro" an. Die ruhigen Arrangements verstecken eine Menge rhythmischer Raffinesse, vermählen die afrikanisierte Spielart kubanischer Klänge mit der melancholischen Atmosphäre kapverdischer Mornas und der federnden Tanzbarkeit der Rumba. Nachdenkliche Verse über den Freiheitskampf Afrikas, über den aktuellen Zustand der Welt wechseln mit unbeschwerten Partysongs und reizenden Liebesständchen ab. Dizzy Mandjeku, ein Kumpan aus alten OK Jazz-Tagen, zaubert ein unvergleichliches Flow anhand schwereloser Gitarrenlinien. Ein rundum stimmiges Chef D’Oeuvre von einem reifen Star, der nach 25 Jahren internationalen Ruhms in der vollen Blüte seiner schöpferischen Jahre zu stehen scheint.

Anspieltipps:

- "Cantos de Esperança" (1): Im portugiesischsprachigen Titelsong, getragen von sehnsuchtsvollen Akkordeonphrasen und den gemächlichen Gitarrenlinien hat Mangwana seinen Landsleuten ein wundervolles Denkmal gesetzt: "Es ist eine Hymne an jeden einzelnen meiner Leute, die soviel Leid und Kämpfe in der Hoffnung auf bessere Zeiten bestehen mussten."

- "Comite Ya Bantous" (3): Eine meisterliche Verschmelzung von kubanischer Rhythmik mit der schmeichelnden Stimme Mangwanas und rundem Chorgesang; im swingenden Montuno-Teil lauert eine Gitarreneinlage voller Esprit.

- "Amor De Guatemala" (6): Nirgendwo könnte Sam Mangwana schöner demonstrieren, wie perfekt er die spanische Sprache adaptiert hat — eine wunderschöne Liebesgeschichte zwischen Karibik und Kongo.

- "Papa Bonbon" (7): Ein Uptempo-Song im typischen Rumba-Rhythmus, hier kann Mangwana die Trumpfkarte seiner Vocals in hohen Lagen ausspielen. Kritisiert werden im Text die ehrbaren Leute, die von einer heuchlerischen und verdummten Gesellschaft als "Papa Bonbon" verlacht werden.

 

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