Putumayo Presents:

COLOMBIA


EXIL 0944-2
LC 08972
VÖ: 16.07.2001
DISTRIBUTION: INDIGO

Jeder sattelfeste Latino-DJ wird es bestätigen: Gegen den Strom der Kuba-Nostalgie rollt eine heimliche Kolumbien-Welle heran: Die packendsten und tanzbarsten Salsa-Sounds kommen derzeit nicht etwa von der Zigarreninsel, auch nicht aus dem Big Apple, nein, vor allem zu "Salsa Colombiana" schwingen die Connoisseure in den Clubs ihr Tanzbein. Auch Kolumbiens indigener Rhythmus, die Cumbia, ist in seiner poppigeren Variante hier mächtig auf dem Vormarsch, während seine Wurzeln und die des ebenfalls akkordeongetränkten Vallenato einem begeisterten deutschen Kinopublikum kürzlich in "El Accordeón Del Diablo" schmackhaft gemacht wurden.

Da passt es nur zu gut, dass Dan Storper für Colombia nach mehr als 25 Jahren zu "seinem" magischen Platz zurückkehrt: durch eine atemberaubende Landschaft an Kolumbiens Grenze mit Peru windet sich der Putumayo-Fluß: Hier empfing der Label-Chef 1974 die Inspiration zu seinen Kleider- und Kunsthandwerkshops, die sich schließlich auch für Musik aus aller Damen und Herren Länder öffneten. Als Tribut an diese Initialzündung werden auf Colombia die spannenden Klanggeschichten eines Staates aufgerollt, dessen Musikstile so breitgefächert sind wie seine Landschaft mit den schneebedeckten Andenbergen, der karibischen und pazifischen Küstenlinie, sowie üppigen Regenwäldern. Da ist der atlantische Party-Rhythmus Porro mit seinen Flöten, neben ihm der akkordeongeprägte Vallenato, u.a. von einer gewissen Gloria Estefan popularisiert, des weiteren der Bambuco aus dem Gebirge, und natürlich Kolumbiens Markenzeichen, die afro-kolumbianische Kreation namens Cumbia. Sie alle konkurrieren mit dem Feuer der eingangs gepriesenen Salseros wie Fruko, Joe Arroyo oder Latin Brothers.

Auch wenn die drei Jungs von Los 50 de Joselito (1) in ihrer hippen Erscheinung nahe an einer Boygroup siedeln, haben sie sich ganz in Familientradition der Hege und Pflege gediegener Klassiker verschrieben. Mit jugendlichem Esprit hauchen sie den kolumbianischen Standards neue Frische ein, in unserem Falle haben sie sich mit "Montañerisimo" eines schlurfenden Bambuco aus den Anden angenommen, in dem ein unbekümmertes und farbenfrohes Bild von Manizales und Medellín entworfen wird.

Ein Kabinettstückchen prickelnder Lyrik liefert der langjährige Exilant Hermán Rojas. Nach 27 Jahren Aufenthalt in Argentinien, das ihm die Verbreitung der Cumbia verdankt, kehrte er 1982 zurück und rief Los Warahuaco (2) ins Leben. "La Tuna", von kubanischem Son und Boogaloo injiziert, illustriert die Hoffnung des Sängers, seine Herzensdame möchte sich doch an der dornigen Tropenfrucht Tuna stechen, damit er als Kavalier ihr zu Hilfe eilen kann.

Audienz gewährt nun ein König der Cumbia: Gabriel Romero (3) gelangte zunächst in den Reihen der Black Stars zu Ruhm, mit denen er den Evergreen "La Piragua" schuf, kürzlich erst wieder von Cumbia-Popstar Carlos Vives vertont. Mit "Las Lavanderas" gibt Romero einen Einblick ins bunte Schaffen seines aktuellen Orquesta in munterem Wettstreit zwischen Blechbläsern, Klarinette und Antwortchören wird der Arbeitsalltag der Wäscherinnen vertont.

Joe Arroyo (4) ist wohl Kolumbiens größter Salsa-Export. Schon als 16jähriger beim allseits verehrten Fruko stimmlich brillierend, nabelte er sich Anfang der 80er mit eigener Band ab und erweist sich immer wieder als genialer Neuschöpfer von afrikanisch getränkten Stilen, die sich vom Son, Bolero, Cumbia und Fandango gleichermaßen ableiten. In "Ya mulemau" zieht er den Hut vor dem Gambianer Laba Sosseh, Pionier der latino-afrikanischen Salsa-Brücke. Der Song wird von Arroyo in der Originalsprache intoniert.

Der wichtigste Pate des Porro ist ohne Zweifel Lucho Bermúdez (5). Der Klarinettist übte bis zu seinem Tode im Jahre 1994 für Kolumbien die gleiche Funktion aus wie Benny Goodman für den US-Swing, indem er den Stil von der Atlantikküste zunächst für Bigband arrangierte und im Inneren des Landes popularisierte. Mit der Transformation des Porro in einen neuen Stil namens Gaita krönte Bermudez seine Laufbahn. In "Fiesta De Negritos" kann man der "Jazzifizierung" nachlauschen.

Afro-kolumbianisches Kulturgut der Bolivar-Region und darüber hinaus lebt vor allem im Werk der auch in Europa sehr bekannten Totó La Momposina (6) fort. In der Heimat ist sie aufgrund ihrer tiefschürfenden Folklore-Recherche so geschätzt, daß sie von Gabriel Garcia Marquez 1982 als Begleiterin zum Empfang des Literatur-Nobelpreises auserkoren wurde. In "Oye Manita" verbrüdert Totó kubanischen Son mit dem Bullerengue der afro-kolumbianischen Palenque-Gemeinden.

Ein Besuch an der pazifischen Küste und ihrer Chocó-Region steht an: Candelário Gonzalez, Kopf der Grupo Bahia (7) legiert die Folklore-Rhythmen Currulao, Bunde und Jurga mit dem Sound der Marimba und Afro-Percussion mittel eines zeitgenössischen Ansatzes. Mit "A Guapi" hat er in der spannenden Rhythmik des Curralao ein Loblied auf seine Heimatstadt geschaffen.

Einen wichtigen Beitrag zur Verbreitung des Vallenato hat Tulio Zuloaga (8) beigetragen. Der Schauspieler und DJ verhalf dem vormals als Musik der Unterschicht verpönten Genre zu einer peppigen Neudefinition, auf der nun international bekannte Sänger wie Carlos Vives aufbauen. Das neckische Akkordeon tönt in "El Temporal" über dem schlurfenden Vallenato-Rhythmus, auch wenn das Stück, eine Warnung vor aufziehendem Unwetter, sich ursprünglich aus einer puertoricanischen Plena ableitet.

Gallionsfigur des wichtigsten kolumbianischen Labels Discos Fuentes war von jeher Ernesto "Fruko" Estrada, der seine ersten Brötchen in der Cumbia-Truppe Los Corraleros de Majagual verdiente. Nach einem Besuch im Big Apple und dem Eintauchen in dessen pulsierende Salsa-Szene der Spätsechziger, machte er sich mit eigener Band daran, für Kolumbien einen ähnlichen Sound wie den der Fania All Stars zu kreieren, mit fulminantem Erfolg bis zum heutigen Tage. Kaum ein anderes Stück könnte die Tanzbarkeit der aktuellen Salsa Colombiana besser bezeugen als Fruko y sus Tesos‘ "Soy Como Soy" (9): knackige Horn Section und vom kubanischen Son entlehnte Nasal-Chöre paaren sich mit flinker Percussion.

Hitlieferant seit vier Jahrzehnten auf dem Terrain der Cumbia: dafür stehen La Sonora Dinamita (10), die zu den populärsten Gruppen Lateinamerikas überhaupt zählen. Ihr karibischer Tanzsound entfachte vor allem in Mexiko unglaubliche Begeisterungsstürme. In "El Ciclón" geht es einmal mehr um gefährliche Stürme, diesmal allerdings dienen sie als raffinierte Metaphern für die Wirkung einer Frau auf das Seelenleben des Sängers.

Kurios instrumentiert gibt sich die "Cumbia Del Caribe" des Orquesta Edmundo Arias (11): mit den süffigen Posaunen und quäkenden Saxophonen wetteifert eine nostalgische Hammondorgel. Das Repertoire von Señor Arias schöpft bevorzugt aus den Porros, Cumbias, Merecumbes und Gaitas der atlantischen Küste.

Eine weitere Salsa-Legende des Putumayo-Landes beschließt das kolumbianische Kaleidoskop. Seit drei Jahrzehnten stehen die Latin Brothers (12) als Konkurrenz der Großen aus N.Y. und Puerto Rico im Rampenlicht. Auf "Delia La Cumbiabera" haben wir es mit einem eigentümlichen Zwitter zu tun: während sich die gesamte Band im Cumbia-Schritt wiegt, folgt das Piano dem typischen Montuno-Muster des Salsa.

Es bleibt der überwältigende Eindruck eines musikalischen Kosmos, der in Südamerika in seiner Vielgestaltigkeit nur von Brasilien übertroffen wird. Colombia, obwohl nur auf ein einziges Land fokussiert, ist eine der farbenprächtigsten Kompilationen aus dem jüngeren Putumayo-Katalog, feurig-tanzbar und voll erdiger Rhythmik zwischen den faszinierenden Polen afrikanischer, hispanischer und indianischer Kultur schwingend.

 

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