Putumayo Presents:

AFRICAN ODYSSEY


EXIL 0941-2
LC 08972
VÖ: 10.09.2001
DISTRIBUTION: INDIGO

Eben erst wurde in Afrika das Skelett eines Urmenschen entdeckt, das wesentlich älter ist als alle bekannten Vorläufer. Ein weiterer Hinweis darauf, dass die Ursprünge der Kultur auf dem Schwarzen Kontinent zusammen laufen. Dort lernte der Mensch laufen, dort schaffte er vom alten Ägypten bis zu den Arabern des Mittelalters, sich im Austausch mit den mediterranen Entwicklungszentren von der geistigen Einfalt des Jägers und Sammlers zu befreien und zum zivilisatorisch kompetenten Wesen zu entwickeln. Auch wenn der Dampfhammer der Kolonisation im Anschluss daran zahlreiche Traditionen mit Gewalt zerschlagen hat, verbergen sich im Falle der Musik noch immer vielfältige Überlieferungen zwischen dem Mittelmeer und Kapstadt. Sie verbinden sich im Zeitalter der Globalisierung mit den technischen Errungenschaften der westlichen Moderne und lassen ein einzigartiges Konglomerat kreativer Impulse entstehen. Man muss nur hinhören.

Um einem Missverständnis vorzubeugen: Es geht nicht um Buschmänner und Stammestänze. Das ist ein Fall für Musikethnologen und Freunde ungefilterter Authentizität. African Odyssey hat anderes im Sinn. Mit zehn Liedern aus sieben Ländern ist die Sammlung einer akustischen Aktualität auf der Spur, die sich nur entfernt mit Mythen und Riten aus dem Völkerkundekabinett verknüpfen lässt. Denn so wie die Satellitenschüssel inzwischen zu Wellblechhütten, Nomadenzelten und Stadtpalästen gehört, so haben sich auch die afrikanischen Musiker längst vom Klischee des schönen, trommelnden Wilden distanziert. Der Klangalltag in Afrika ist von gewagten Mixturen internationaler Einflüsse und regionaler Überlieferungen bestimmt. Man rapt, rockt und folkt genauso, wie man sich auf Griot-Traditionen oder einheimische Rhythmen bezieht. Genau genommen ist alles möglich und vieles schon vorhanden.

Bidinte zum Beispiel stammt aus Bolama, einer kleinen Hafenstadt auf den zu Guinea-Bissau gehörenden Bijagos-Inseln. Er begann mit 14 Jahren, auf einer gebrauchten Mandoline einheimische Gumbé-Melodien zu spielen, entdeckte sein Talent als Sänger und kam über viele Umwege nach Portugal und Spanien. "Ke Cu Minino Na Tchora" erzählt eine typisch afrikanische Geschichte aus der ernüchternden, spannungsgeladenen Gegenwart. Mit der Melancholie des Menschenfreundes handelt sie von Kindern, die schon im Windelalter mehr Gewalt gesehen und erlebt haben, als mancher Westeuropäer in seinem ganzen Leben. Dazu spielt Bidinte eine Mischung aus afrokaribischen Reggae-Rhythmen, Paris-geprägten Gitarrenfiguren und einheimischen Perkussionsounds, kulturübergreifend und zugleich original, bestimmt und doch versöhnlich.

Anderes Beispiel: Augusto Cego. Er wurde 1960 in Bobossó geboren, einem Dorf auf Fogo, das zur kapverdischen Inselgruppe zählt. Als Einwohner eines stagnierenden Atlantikstützpunktes auf halbem Weg zwischen Portugal und Brasilien erlebte er in seiner Jugend, wie die Welt seine Heimat vergaß. Was blieb, waren ferne Erinnerungen an einstige Größe und eine klangtraditionelle Überlieferung, die aus Kolonialzeiten westafrikanische, portugiesische und brasilianische Elemente verband. Im Jugendalter durch unglückliche Zufälle erblindet, fand er in der Musik sein intellektuelles und in Massachusetts sein tatsächliches Zuhause. "Mar" ist Cegos Erinnerung an seine kapverdischen Ursprünge, eine dem Fado Lissabons verwandte balladeske Morna, wie sie von Cesaria Evora in den vergangenen Jahren bekannt gemacht wurde. Es ist Musik der Seele, voll zarter Intensität und charmanter Nostalgie.

Schließlich: Habib Koité. Daheim in Mali ist er längst ein Star. Denn er ist nicht nur ein beachtlicher Gitarrist und charismatischer Sänger, sondern auch ein Komponist, der mit souveräner Leichtigkeit Vergangenheit und Moderne verbindet. Als Spross einer angesehenen Griot-Familie, die seit Generationen Geschichten in Lieder verbreitete, brachte er sich eine markante Picking-Technik bei, während er seine Mutter begleitete. Koité nahm daraufhin Unterricht bei einheimischen Musikern, hörte aber ebenso darauf, was außerhalb seiner Heimat geschah. Er entwickelte eine markante stilistische Offenheit, die ihn ursprünglich klingen lässt, ohne konservativ sein zu müssen. So wie auch seine Texte von Themen handeln, die traditionell und zugleich aktuell sind. "Sinama Denw" etwa erzählt von den Kindern aus Seitensprüngen und der allgegenwärtigen, kulturell geduldeten Promiskuität, die jedoch im Zeitalter tödlicher Krankheiten neue Dimensionen annimmt.

Bidinte, Cego, Koité - drei Beispiele für den Facettenreichtum afrikanischer Musik. African Odyssey ergänzt sie um bislang unveröffentlichte Lieder von Doctor King’esi und Adama Yalomba, nimmt Impressionen aus Sierra Leone und von der Elfenbeinküste, aus Zimbabwe und Südafrika auf, um die Sammlung zur überraschenden Mischung zeitgenössisch anspruchsvoller Popmusik abzurunden. Einmal mehr zeigt sich, wie leichtfertig es sein kann, die Klangkulturen von der Wiege der Menschheit zu unterschätzen. Denn es gibt auf dem Schwarzen Kontinent noch viel zu entdecken. African Odyssey weist einen Weg dorthin.

 

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